Ettore Gotti Tedeschi
Der Banker des Heiligen Vaters

Der bisherige Italien-Chef der spanischen Santander Consumer Bank ist diese Woche zum Präsidenten der Vatikanbank Ior ernannt worden. Er übernimmt damit die Führung einer Bank, die in der Vergangenheit oft für Skandale gesorgt hat. Er soll das Institut in die Globalisierung begleiten.

MAILAND. "Fünf Kinder mit einer einzigen Frau", steht auf der Website des katholischen Think Tanks Tocqueville-Acton in dem kurzen Lebenslauf von Ettore Gotti Tedeschi. Beste Voraussetzungen für den neuen Job des 58-Jährigen: Präsidenten der Vatikanbank.

Gotti Tedeschi löst den bisherigen Präsidenten Angelo Caloia ab, der ursprünglich noch bis zum kommenden Jahr amtieren sollte. Caloia hatte bei seinem Amtsantritt eine marode Bank geerbt und diese gründlich saniert. Gotti Tedeschi soll das Institut, das im vergangenen Jahr über ein Vermögen von fünf Milliarden Euro verfügte, nun in das globale Zeitalter führen.

Für den Posten hat der Ökonom noch mehr vorzuweisen als nur eine streng gläubige Familie und exzellente Kontakte zu den Katholiken, insbesondere zum Opus Dei. Der Gastautor der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" begann seine Karriere 1973 bei der Unternehmensberatung Sema in Paris, bevor er 1980 zu Mc Kinsey wechselte, für die er in Mailand und London arbeitete.

Als Berater hat sich Gotti Tedeschi mit Themen wie der langfristigen Vermögensverwaltung und Börsengängen befasst. Die Finanzen hatten es dem Norditaliener so sehr angetan, dass er 1987 mit dem Opus-Dei-Mitglied Gianmario Roveraro eine eigene Bank unter dem Namen Akros Finanziaria gründete. Roveraro galt lange als eine der wichtigsten Figuren der katholischen Finanzwelt, bis er vor zwei Jahren unter ungeklärten Umständen umgebracht wurde.

Einige Jahre nach der Akros-Gründung tat Tedeschi sich mit einem anderen Opus-Dei-nahen Banker zusammen, dem Spanier Emilio Botin. Für ihn gründete er 1993 die erste Santander-Filiale in Italien. Außerdem vertrat er über Jahre die Interessen der Spanier im Aufsichtsrat der Turiner Großbank Sanpaolo Imi.

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