EU
Hinweise wie „hoher Gehalt an Zucker“ sind bald Gesetz

"Wie Konsumtrottel" behandelt die EU die Verbraucher. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche kritisiert Dietmar Kendziur, Ferrero-Geschäftsführer und Vorsitzendender des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie, massiv die sogenannte Claims-Verordnung der EU. Diese regelt die nährwert- und gesundheitsbezogenen Produktangaben.

Die Verordnung wird von Sommer dieses Jahres bis 2011 die Inhaltsangaben und Werbeaussagen der Lebensmittelhersteller zunehmend reglementieren. Enthält etwa ein als fettarm beworbenes Produkt viel Zucker, müssen Hersteller es mit einem plakativen Hinweis wie "hoher Gehalt an Zucker" versehen. Ab 2010 sollen nur noch solche Produktaussagen erlaubt sein, die in einer Positivliste der EU stehen.

Davon abweichende Formulierungen müssen sich die Lebensmittelhersteller dann in einem Einzelzulassungs- und Registrierungsverfahren genehmigen lassen. Kendziur: "Selbst wissenschaftlich belegte Gesundheitsangaben werden dann künftig von Brüssel verboten sein." Kendziur fürchtet, der schon beschlossene Maßnahmenkatalog werde in der deutschen Süßwarenindustrie mit zur Zeit 270 Unternehmen zu existenzgefährdenden Veränderungen führen. Der bürokratische Aufwand insbesondere für mittelständische Lebensmittel- und Süßwarenhersteller sei zu hoch.

Diese müssten wegen der EU-Eingriffe Produkte vom Markt nehmen, weil sie deren eigentliche Vorteile nicht mehr angemessen heraus stellen dürften. Kendziur: "Die EU-Verordnung schafft Arbeitsplätze in Amsstuben, kostet aber Arbeitsplätze in den Unternehmen." Außerdem werde sie nicht ihr eigentliches Ziel erreichen, nämlich das Problem des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen zu reduzieren. Kendziur: "Es gibt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Werbung. Werbung für Süßwaren steigert nicht den Gesamtkonsum, sondern ist ein Instrument im Wettbewerb um Marktanteile."

www.wiwo.de

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