EU-Recht bietet attraktive Alternativen: Europa AG bei Firmen kein Renner

EU-Recht bietet attraktive Alternativen
Europa AG bei Firmen kein Renner

Der Run deutscher Unternehmen auf die europäische Aktiengesellschaft bleibt weiterhin aus. Auch nach der Entscheidung der Allianz AG, sich in eine Societas Europaea (SE), so der offizielle Name der Europa AG, umzuwandeln, bleibt das Interesse an der Rechtsform gering.

KÖLN. Entgegen ersten Prognosen hat nach dem Allfinanzkonzern kein weiteres namhaftes Unternehmen angekündigt, sich das neue Rechtskleid überzustreifen. Experten wundern sich nicht über diese Entwicklung. Für Joachim Borggräfe, Partner der internationalen Kanzlei Kaye Scholer, ist die SE eine halbherzige politische Konsenslösung. "Die SE ist keine konsequente Antwort auf die Anforderungen des Binnenmarktes. International tätigen Unternehmen bietet sie zu wenig entscheidende Vorteile."

Schlechte Nachrichten für die Gründerväter der Europa AG: Fast 30 Jahre hat die EU an dem Statut der SE gearbeitet, um sie dann mit vielen Vorschusslorbeeren in den Wettbewerb mit den nationalen Gesellschaftsformen zu schicken. Eine einheitliche europäische Rechtsform versprach man den Unternehmen, die eine Expansion und Neuordnung über Ländergrenzen hinweg ermögliche. Und das ohne das kostspielige und zeitaufwendige Verfahren, das bis dato mit der Gründung von Tochtergesellschaften verbunden war.

Joachim Borggräfe hält das für eine Mogelpackung: "Die SE heißt zwar europäisch, ist es aber nicht. Nach wie vor fehlt ein EU-einheitliches Gesellschaftsrecht." Tatsächlich sind die Brüsseler Vorgaben zur Europa AG so lückenhaft, dass nicht nur jeder Mitgliedstaat eigene Ausführungsgesetze erlassen muss. In wesentlichen Bereichen finden die nationalen Aktiengesetze zusätzlich Anwendung. Zumindest im Detail gibt es statt einer einheitlichen Rechtsform weiterhin viele einzelstaatliche Regelungen. "Diese verdeckte Komplexität ist ein Kostenkiller", so Borggräfe. "Kein Unternehmen betreibt den erforderlichen Aufwand, um als SE zu firmieren."

Diese Auffassung teilt man sogar bei der Allianz. Intern wird kein Hehl daraus gemacht, dass die Umwandlung in eine Europa AG vor allem der schnellen Komplettübernahme des italienischen Versicherers RAS diente. "Für uns war die SE lediglich Mittel zum Zweck", sagt ein mit dem Formwechsel befasster Konzernjurist. "Ansonsten sind die wirtschaftlichen Vorteile der SE einfach zu gering, um den immensen Aufwand einer solchen Umwandlung zu rechtfertigen."

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