Eugene Fama gilt als Effizienzkoryphäe
Deutsche Bank ehrt Chicagoer Ökonomen

An eine lebende Legende der Kapitalmarktforschung überreicht die Deutsche Bank heute Abend in Frankfurt zum ersten Mal den „Prize in Financial Economics“: an Eugene Fama von der Universität Chicago.

FRANKFURT/M. Der heute 66-Jährige machte das erste Mal Furore mit seiner Forschung zur Effizienz der Kapitalmärkte, das zweite Mal mit dem so genannten Dreifaktormodell. Mit dem mit 50 000 Euro dotierten Preis, der künftig im Zweijahresrhythmus vergeben wird, wollen Deutsche Bank und das Center for Financial Studies den Finanzplatz Frankfurt stärken und international ins Gespräch bringen.

Die Markteffizienzthese, der Fama zum Durchbruch verhalf, besagt, dass alle relevanten Informationen, die den Wert eines börsengehandelten Wertpapiers bestimmen, bereits in den Kursen enthalten sind. Man kann sich danach Versuche schenken, durch geschickte Auswahl von Wertpapieren oder bestimmte Handelsstrategien den Markt zu schlagen. Man sollte sich vielmehr darauf beschränken, den für sich selbst passenden Mix von Rendite und Risiko zu wählen.

Dabei hilft einem Famas Dreifaktormodell, das heute vorherrscht, um zum Beispiel die Investmentstile von Fonds zu charakterisieren. Die drei Faktoren, die das Risikoprofil von Aktiendepots bestimmen sind das Marktrisiko, Wachstumsaktie versus unterbewertete Aktie, sowie groß versus klein.

Über 160 000 mal wurden Famas Aufsätze in der Forschungsdatenbank Social Science Research Network heruntergeladen. Für ökonomische Studien ist eine solch große Leserschaft spektakulär. Damit steht Fama auf Rang zwei der weltweit meistbeachteten Wirtschaftsforscher. Sein Aufsatz „Market Efficiency, Long Term Return and Behavioral Finance“ steht im Ranking der Einzelaufsätze mit über 46 000 Downloads sogar auf Rang eins.

In diesem Papier setzt sich Fama sehr kritisch mit einer Forschungsrichtung auseinander, deren Existenz auf der Ablehnung der Theorie effizienter Märkte beruht, der Behavioral Finance. Die Vertreter dieser Forschungsrichtung untersuchen die Gründe für vielfältige Anomalien an den Finanzmärkten, also für Abweichungen von dem, was unter der Effizienzhypothese zu erwarten wäre. Dazu gehören Blasen, Crashs und ungewöhnlich hohe oder niedrige Renditen bestimmter Wertpapiere oder Wertpapierklassen über lange Zeiträume. Famas Resümee: alles Zufall. Er kritisiert, die Behavioural Finance habe nur viele verschiedene Modelle für spezifische Anomalien geschaffen, aber kein Modell, das insgesamt besser sei als das Modell der effizienten Märkte. Dass sein Modell – wie jedes Modell – unvollkommen und nicht immer richtig ist, räumt er ein.

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