Eurohypo-Vorstand
Ralf Woitschig: Ein Mann für undankbare Fälle

Damit hätte Ralf Woitschig nicht gerechnet. Ausgerechnet Neelie Kroes, die gestrenge Wettbewerbskommissarin der Europäischen Union (EU), erleichtert dem Eurohypo-Vorstand den Job. Kroes hat die Commerzbank zum Verkauf ihrer oft ungeliebten Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter Eurohypo verdonnert. Der Rahmen für den Neuanfang ist eng gesteckt.

FRANKFURT. „Das hat die Interessenlage auch in der Commerzbank geändert. Jetzt geht es nicht mehr darum, die Staatsfinanzierung abzuwickeln, sondern darum, sie zu positionieren“, sagt Woitschig, der seit November 2008 die Staatsfinanzierung leitet.

Im Klartext: Künftig hat er ein gutes Argument mehr, wenn er für seine Ideen Ressourcen des Mutterkonzerns Commerzbank braucht. Je besser die Eurohypo und ihr Staatsfinanzierungsarm herausgeputzt sind, desto mehr bringt sie bei einem Verkauf ein. Seine Mission geht der 41-Jährige mit viel Elan an: Er muss ein stabileres Geschäftsmodell für die Finanzierung von Staaten und Kommunen entwickeln. Die Krise hatte gezeigt, wie riskant das margenschwache Geschäft sein kann, wenn selbst Staatsanleihen Kursstürze erleiden. 2008 verlor die Eurohypo damit rund eine Mrd. Euro. Künftig will Woitschig mehr maßgeschneiderte Darlehen für Staaten, Städte und Kommunen anbieten. Dort sind die Gewinnspannen höher. „Bisher waren wir in diesem Geschäft weitgehend über die Investmentbanken im Markt“, erklärt der Manager. Dafür will er eigene Leute weiterqualifizieren und liebäugelt mit dem einen oder anderen Spezialisten von Dresdner Kleinwort.

Der Rahmen für den Neuanfang ist eng gesteckt: Woitschig muss bis 2011 ein 150 Mrd. Euro großes Portfolio auf 100 Mrd. Euro schrumpfen. Das grenzt den Spielraum für lukrative Abschlüsse ein. „Wir machen zwar Neugeschäft, aber derzeit noch in einem sehr geringen Umfang“, sagt er. Er wirkt nicht sonderlich entmutigt, wenn er so etwas sagt. Als „Yes-we-can-Typ“, beschreibt ihn ein Mitarbeiter. Als einen, der aus Schlechtem immer noch das Beste machen will.

Die Stimmung am Eurohypo-Stammsitz Eschborn hat sich in den vergangenen Monaten gebessert, heißt es in der Bank. Dazu hat Woitschig beigetragen, der sich stark um Teamgeist bemüht. „Klar, im Moment steht eine Konsolidierungsphase im Mittelpunkt. Aber ich sage den Leuten, wenn du dich dabei qualifizierst, dann ist das die größte Beschäftigungssicherung, die man haben kann. Auch das lässt Angstgefühle schwinden“, sagt er.

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