Europa-Geschäft
Aufsteiger in der Krise

Robust, selbstbewusst, das spöttische Lächeln verschwindet fast nie aus seinem Gesicht, Christian Meissner wirkt so, als könnte ihn wenig erschüttern. Doch jetzt kommt auf den gebürtigen Österreicher die wohl schwerste Aufgabe seiner Karriere zu: Christian Meissner wird Co-Chef von Lehman Brothers in Europa.

LONDON. Meissner gehört zu den Gewinnern des jüngsten Stühlerückens bei der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers. Gemeinsam mit dem Italiener Riccardo Banchetti soll Meissner in Zukunft das Europa-Geschäft von Lehman leiten. Der Posten wird frei, weil der bisherige Europa-Chef Jeremy Isaacs zum Ende des Jahres gehen wird. Auch Andy Morton, Chef des weltweiten Geschäfts mit Anleihen und Währungen, wird Lehman verlassen. Seinen Job sollen Eric Felder und Hyung Soon Lee übernehmen.

Es ist bereits das dritte Mal innerhalb von vier Monaten, dass Lehman-Chef Richard Fuld das Topmanagement umbaut, ein Indikator für die Schwierigkeiten, in denen die Bank steckt. Im Juni verlor Finanzchefin Erin Callan nach nur einem halben Jahr ihren Job. Auch der zweite Mann hinter Fuld, Joseph Gregory, ein enger Vertrauter des Chefs, musste gehen und wurde durch Bart McDade ersetzt.

Nach Informationen aus Finanzkreisen hatte sich auch der bisherige Europa-Chef Isaacs Hoffnungen auf den Posten des Kronprinzen gemacht. Nach dem verlorenen Machtkampf gegen McDade wollte er bereits seit Wochen seinen Job aufgeben. Doch zunächst konnte Fuld den enttäuschten Isaacs, unter dessen Führung Lehman in Europa und in Asien große Fortschritte gemacht hatte, zum Bleiben überreden. Mit seiner Berufung zum Co-Chef für Europa steigt Meissner endgültig ins Topmanagement von Lehman Brothers auf. Der erst 39-Jährige gehört zu den prominentesten deutschsprachigen Investmentbankern in London. Nach der Schulzeit in Frankfurt und London ging der gebürtige Wiener in die USA, um Europäische Geschichte zu studieren. Das historische Interesse trieb ihn dann zurück nach Europa.

Meissner gab seinen ersten Job als Banker bei Morgan Stanley in New York auf, weil ihn die deutsche Wiedervereinigung faszinierte. Anfang der 90er-Jahre wechselte er zur Deutschen Bank in Frankfurt und von dort zur deutschen Niederlassung von Goldman Sachs, wo er unter anderem den Börsengang der Deutschen Telekom vorbereitete.

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