Eventuell wird auf Zeugen verzichtet
Mannesmann-Prozess wird wohl nicht kürzer

Auch nach der Zwischenbilanz zeichnet sich im Mannesmann-Prozess derzeit keine Verkürzung des Verfahrens ab.

HB DÜSSELDORF. "Das Verfahren wird eher nicht kürzer werden", sagt ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Montag. Anwälte der sechs angeklagten Manager, unter ihnen Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, hatten gesagt, sie hofften auch ein rasches Ende des Verfahrens, nachdem die Kammer in einer Zwischenbilanz der gut zweimonatigen Verhandlungen erklärt hatte, dass sich bislang in keinem der sieben Anklagepunkte der von der Staatsanwaltschaft erhobene Vorwurf der Untreue erhärten lasse. Damit wurde der zentrale strafrechtliche Vorwurf der Anklage entkräftet. Verstöße habe es nur gegen das Aktienrecht gegeben. Diese sind nach Angaben eines Gerichtssprechers aber nicht in dem Düsseldorfer Strafprozess, sondern allenfalls zivilrechtlich zu klären.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte weiter, zwar prüfe die Staatsanwaltschaft, ob auf Zeugen verzichtet werden könne. Doch mit den Pensionsverpflichtungen, die im Rahmen der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone neben den umstrittenen Millionen-Prämien vereinbart worden waren, sei ein zentraler Komplex der Anklage im Verfahren noch kaum angesprochen worden.

Die Staatsanwaltschaft halte an der Anklage fest, betonte er. Sie wolle neue Beweisanträge vorlegen. Zudem sei die Strategie der Staatsanwälte in dem Verfahren um umstrittene Zahlungen an Top-Manager bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone nun zweigleisig. Einerseits kämpfe die Anklage weiter für eine Verurteilung. Gleichzeitig müsse sie aber auch die Voraussetzungen für eine Revision schaffen, falls ein Freispruch kommen werde. "Wir wollen die notwendigen Beweiserhebungen", sagte der Sprecher.

Wegen der bei der mehr als 180 Milliarden Euro teuren Firmenübernahme vor vier Jahren geflossenen Millionen-Zahlungen verhandelt das Landgericht gegen sechs Manager. Neben Ackermann und Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser ist auch der ehemalige Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, wegen schwerer Untreue oder Beihilfe zur Untreue angeklagt. Allein Esser hatte nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Telekom-Konzern gut 30 Millionen Euro erhalten.

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