Evonik
Werner Müller: Schelm und Visionär

In 15 Tagen ist Schluss bei Evonik: Werner Müller zieht sich vom Chefsessel des Essener Konzerns zurück. Kaum ein Unternehmenslenker ist streitbarer. Viel Feind, viel Ehr, das galt für ihn vor allem in Nordrhein-Westfalen. Beim letzten Auftritt beweist Müller nochmals eigene Größe.

DÜSSELDORF. Gedacht hatte er sich das anders, Chef der RAG-Stiftung hatte er werden wollen auf Schloss Baldeney in Essen. Nun, die RAG-Stiftung führt der ewige Weggefährte und Konkurrent Wilhelm Bonse-Geuking, Evonik-Chef Werner Müller hört zum Jahresende auf. Nur wäre er nicht Müller, würde am vorläufigen Ende seiner großen öffentlichen Laufbahn am 31. Dezember kein ähnlich ungewöhnlicher Auftritt stehen wie zu Beginn.

Es war in den Mittagsstunden des 19. Oktober 1998. Wenige Stunden zuvor hatte den privatisierenden Ex-Manager der Anruf seines Freundes Gerhard Schröder erreicht. Müller soll dem designierten Kanzler aus der Patsche helfen, um anstelle des ahnungslosen Jobst Stollmann neuer Bundesminister für Wirtschaft und Technologie zu werden. „Müller wer?“ fragen die Berichterstatter nach dem fast Unbekannten. Schon damals lächelt der Mann, als würde er das Spektakel nicht ganz ernst nehmen. Man wird ihn bald kennenlernen.

Gestern, in der Düsseldorfer Dependance des Daimler-Konzerns, hat Werner Müller, Evonik-Chef für 15 Tage, noch einmal ein Stück Industriegeschichte mitgeschrieben. Zusammen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentierte der 62-jährige Müller das neue Joint Venture von Evonik und Daimler für die industrielle Fertigung hochleistungsstarker Lithium-Ionen-Batterien. Mit ihnen soll von 2010 an der Elektro-Mercedes für jedermann Wirklichkeit werden. Vom „Meilenstein“ sprechen die grauhaarigen Gentlemen auf dem Podium.

Irgendwie schließt sich wieder ein Müller-Kreis: Im Beruf hatte es der blitzgescheite Schöngeist stets mit Energie zu tun. Nur wenige Deutsche der Nachkriegsgeneration haben sich derart gründlich diesem Schicksalsthema der Nation gewidmet. Den Anfang, da war er noch ein Jüngling bei RWE, machte Mitte der siebziger Jahre eine große Studie über die Abkopplung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum. Die für einen Energieversorger höchst provokanten Thesen hätten ihn fast die Karriere gekostet.

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