Ex-Arcandor-Chef

Landgericht setzt Haftbefehl gegen Middelhoff aus

Der Ex-Chef der Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor, Thomas Middelhoff, kann auf seine Entlassung aus der Untersuchungshaft hoffen. Der Haftbefehl gegen ihn wird außer Vollzug gesetzt – aber nur gegen Auflagen.
Update: 20.04.2015 - 18:06 Uhr Kommentieren
Das Landgericht Essen hatte Middelhoff unter anderem wegen Untreu zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Bild zeigt ihn im Herbst 2014 im Gericht. Quelle: dpa

Das Landgericht Essen hatte Middelhoff unter anderem wegen Untreu zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Bild zeigt ihn im Herbst 2014 im Gericht.

(Foto: dpa)

EssenDer frühere Topmanager Thomas Middelhoff kommt nach gut fünf Monaten Untersuchungshaft möglicherweise auf freien Fuß. Das Landgericht Essen setzte den Haftbefehl gegen den 61-Jährigen außer Vollzug, wie das Gericht am Montag mitteilte. Vor einer Haftentlassung müsse Middelhoff aber Auflagen erfüllen.

Da der Beschluss der Strafkammer zunächst Middelhoff bekannt gemacht werden müsse, könnten zunächst keine weiteren Einzelheiten mitgeteilt werden, hieß es weiter. Dies werde frühestens am Dienstag geschehen.

Der ehemalige Bertelsmann- und Arcandor-Chef war Mitte November wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Verteidigung Middelhoffs hatte die Freilassung Middelhoffs gefordert, denn er sei nach ihrer Überzeugung durch die Haftbedingungen erkrankt. Die Richter hatten sich bereits am Donnerstag vergangener Woche mit der Frage der Fortdauer der Untersuchungshaft befasst und Sachverständige zu Middelhoffs Gesundheitszustand angehört, so ein Gerichtssprecher damals.

Unter Berufung auf das nordrhein-westfälische Justizministerium berichtet die Bild-Zeitung am Montag, dass Middelhoff nicht wegen seiner Krankheit auf Freilassung hoffen könne. Vielmehr dürfe die Untersuchungshaft im Verhältnis zur verhängten Haftstrafe nicht zu lange ausfallen.

In den vergangenen Wochen hatte es eine Auseinandersetzung gegeben, wie scharf Middelhoff im vergangenen Jahr von der Justizvollzugsanstalt Essen wegen einer vermeintlichen Selbstmordabsicht überwacht worden war. Er war in der Untersuchungshaft zunächst im Viertelstundentakt überwacht worden, nach Angaben der JVA nachts aber nur durch Blick durch einen Türspion – nicht auch durch wecken. Dennoch: Durch die enge Aufsicht habe sich aber Middelhoffs Gesundheitszustand so verschlechtert, dass er nun haftunfähig sei, so das Argument seiner Anwälte.

Middelhoff, der Ende März Privatinsolvenz beantragt hatte, war am 14. November 2014 verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Middelhoff unter anderem Privatflüge mit Charterjets und Hubschraubern über Arcandor abgerechnet und seinem ehemaligen Arbeitgeber insgesamt einen Schaden von rund einer halben Million Euro zugefügt hat. Middelhoffs Anwälte haben gegen das Urteil Revision eingelegt, der Fall wird wohl vor dem Bundesgerichtshof landen.

Das Landgericht hatte Fluchtgefahr angenommen, da Middelhoff nach seiner Festnahme zunächst die Existenz eines zweiten Reisepasses mit einem gültigen Visum für China verschwiegen habe.

  • dpa
  • rtr
  • afp
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