Ex-Arcandor-Chef
Middelhoff muss Aktionär Schadenersatz zahlen

Das Essener Landgericht hat den Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen einer „vorsätzlichen sittenwidrigen Täuschung“ zu einer Zahlung von 2575 Euro an einen Aktionär verurteilt.
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EssenKaum hatte das Essener Landgericht die Verhandlung geschlossen, zückten die Rechtsanwälte auch schon ihre Mobiltelefone. Die Nachricht, die der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Essener Arcandor AG, Thomas Middelhoff, erhielt, ist durchaus brisant: Middelhoff soll einem Kleinaktionär Schadenersatz zahlen, weil dieser im Herbst 2008 bei Geschäften mit Arcandor-Wertpapieren rund 50.000 Euro verloren hat. Nach Ansicht der Richter macht Kläger Jan-Eric Peters für diese Verluste mit Recht die „falschen Äußerungen“ des damaligen Arcandor-Pressesprechers verantwortlich.

Als Chefredakteur der „Welt“-Zeitungsgruppe kennt Jan-Eric Peters die Medienmaschinerie genau. Als er am Morgen des 24. September 2008 in mehreren Online-Portalen las, ein Arcandor-Sprecher schließe den Verkauf von Thomas-Cook-Anteilen zur Rettung des angeschlagenen Essener Handelskonzerns aus, reagierte er sofort. Eine knappe Stunde später hatte er 20.000 Wertpapiere mehr in seinem privaten Aktiendepot. Die Ernüchterung ereilte ihn jedoch noch am selben Abend. Per Ad-hoc-Mitteilung revidierte der Vorstand der Arcandor AG die Aussage vom Vormittag. Der Kurs der Arcandor-Aktie wechselte in den Sinkflug.

Die Richter stellten nun fest, dass sich Middelhoff als Vorstandsvorsitzender durchaus die falschen Erklärungen seines Sprechers zurechnen lassen müsse. In der Urteilsbegründung gingen sie hart mit dem Ex-Arcandor-Chef ins Gericht. Von einer „vorsätzlichen sittenwidrigen Täuschung“ war die Rede. Außerdem habe Middelhoff „zumindest in Kauf genommen, dass Anleger durch die falsche Information in die Irre geführt werden“.

Mit ebenso barschen Worten reagierte nach der Verkündung Middelhoffs Rechtsanwalt Hartmut Fromm. „Das Gericht hat eine haarsträubende Urteilsbegründung abgeliefert“, sagte der Jurist auf dem Gerichtsflur. Entlastungszeugen seien nicht gehört worden. „Dieser Fall schreit förmlich nach einer zweiten Instanz.“ Wenige Meter daneben zeigte sich der Anwalt von Kläger Jan-Eric Peters wesentlich zufriedener. „Dieses Urteil ist sicherlich ein Erfolg“, sagte er. Und man dürfe durchaus davon ausgehen, dass der Kleinaktionär nun noch eine zweite Klage nachlege. Bisher hatte Peters lediglich knapp 5000 Euro aus dem Gesamtschaden von 50.000 Euro geltend gemacht. Nachdem ihm das Gericht nun exakt 2575 Euro zuerkannt hat, will er wohl „weitere knapp 20.000 Euro einklagen“.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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