Ex-Arcandor-Chef Middelhoff
Neuer Ärger für „Big T“

Gerade erst wurde Thomas Middelhoff zu drei Jahren Haft verurteilt, nun muss der Ex-Manager erneut vor Gericht – in einem zivilen Revisionsverfahren. Es geht um Millionen. Und Middelhoff hat viel zu verlieren.
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DüsseldorfVon Essen nach Hamm, vom Straf- zum Zivilrecht: Nur wenige Wochen nach seiner Verurteilung vor dem Essener Strafgericht muss sich Thomas Middelhoff nun in einem Revisionsverfahren verantworten. Wie am Mittwoch bekannt wurde, rollt das Oberlandesgericht Hamm den Zivilstreit des Ex-Topmanagers mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter wieder auf. Thema sind erneut die Flugkosten Middelhoffs. Der achte Zivilsenat will den „dienstliche[n] Charakter“ der auf Firmenkosten abgerechneten Flüge des Ex-Arcandor-Chefs klären.

Bei dem Revisionsverfahren geht es nicht um den Strafprozess in Essen, der im November mit einer Verurteilung Middelhoffs zu einer Gefängnisstrafe endete, sondern um eine Zivilklage des Arcandor-Insolvenzverwalters. Dieser fordert die Rückzahlung ungerechtfertigter Boni und Privatflüge auf Firmenkosten von Middelhoff. In erster Instanz vor dem Essener Landgericht hatte der Senat „Big T“ zu einer Zahlung von 3,4 Millionen Euro verurteilt. Als einen Grund nannte das Gericht – ähnlich wie später die Strafkammer –, dass es bei mehreren Charterflügen Middelhoffs „keinen dienstlichen Anlass“ gegeben habe.

Vor dem Oberlandesgericht Hamm soll es nun zu einer Beweisaufnahme kommen. Bis Februar können Middelhoff und der Insolvenzverwalter ihre Beweise konkretisieren, sagte ein Gerichtssprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Danach sollen auch Zeugen gehört werden, heißt es in der Mitteilung des OLG Hamm.

Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller wollte sich auf Anfrage von Handelsblatt Online zunächst nicht zu der Wiederaufnahme des Prozesses äußern, da der Beschluss den Anwälten noch nicht zugestellt worden sei und er den Inhalt daher noch nicht kenne.

Wegen seiner umstrittenen Charterflüge war Middelhoff im November vom Landesgericht Essen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, Middelhoff hat auch bei diesem Urteil Revision eingelegt. Trotzdem sitzt der frühere Topmanager seitdem in Untersuchungshaft.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Neuer Ärger für „Big T“ "

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  • In der Tat können sich Zivil- und Strafverfahren in derselben Sache in entgegengesetzte Richtung entwickeln.
    Das hat auch etwas mit Rechtsstaatlichkeit zu tun - bemerkenswerterweise.

    Sollte nun Middelhoff zivilrechtlich obsiegen gegen den KK-Verwalter - und damit seine Kosten als rechtmäßige Inanspruchnahme von Transportkapazität qualifiziert würden, sollte dies allerdings der Revision im Strafverfahren Rückenwind geben können.

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