Ex-Bahn-Chef
Mehdorn, der gefragte Hitzkopf

Hartmut Mehdorn hat die Bahn saniert. Daran ändern auch der Datenskandal und das aktuelle Chaos bei der Berliner S-Bahn nichts. Nun soll er der US-Investmentbank Morgan Stanley als Berater und Sanierer helfen. Seine Aufgabe: Verkehrsprojekte in Asien und Amerika.

FRANKFURT. Fast ein wenig verloren wirkt der kleine Mann, der da vor den riesigen Lokomotiven all die vielen Hände schüttelt. Der Lokschuppen in Berlin, umgebaut zum Museum für Verkehr und Technik, ist an diesem sommerlichen Mai-Tag eine beeindruckende Kulisse für den Abschied von Bahnchef Hartmut Mehdorn - und eine symbolische zugleich. Die stillgelegten Stahlrösser und der von der Politik und im Datenskandal auch von sich selbst aufs Abstellgleis geschobene Manager, das passt.

Oder doch nicht? Mehdorn selbst spricht an diesem Abend nur von einer "Pause". Auch Finanzchef Diethelm Sack hat Zweifel. Zu gut kennt er seinen langjährigen Managerkollegen. "Herr Mehdorn, Sie werden an vielen Stellen gebraucht", ruft er ihm, seinem Duzfreund, zu. Und soll damit recht behalten.

Nur wenige Monate nach seinem Abschied kann sich der 67-Jährige nicht über einen Mangel an Interesse beklagen. Joachim Hunold, Gründer und Chef von Air Berlin und mindestens ebenso kantig und direkt wie Mehdorn, holte den umtriebigen Manager kürzlich in den Verwaltungsrat der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft.

Nun kommt eine weitere Aufgabe hinzu. Die US-Bank Morgan Stanley engagiert Mehdorn als Berater. Er soll seine Erfahrung als Sanierer bei Verkehrsprojekten in Asien und Amerika einbringen, berichtet das "Manager-Magazin". Eine Sprecherin der Bank bestätigte das Mandat Mehdorns, wollte aber keine weiteren Details nennen. Wie zu hören ist, handelt es sich eher um ein kleines Mandat, das nur vereinzelt genutzt werden soll. Von Berlin nach Frankfurt, dem Sitz der deutschen Banktochter, werde und müsse Mehdorn deshalb sicher nicht umziehen, heißt es.

Der neue Job könnte dem quirligen Manager, der sich mit 67 Jahren noch viel zu jung fürs Altenteil fühlt, auf den Leib geschrieben sein. Mobilität ist eine seiner großen Leidenschaften. Beim Flugzeughersteller Focke-Wulf sowie später dann bei Airbus startet er seine Karriere. Sein Intermezzo bei Heidelberger Druckmaschinen war mehr oder minder ein fachlicher Ausreißer - notwendig als Sprungbrett, um es ganz nach oben an die Spitze eines Megakonzerns wie der Bahn zu schaffen.

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