Ex-BayernLB-Chef Kemmer
Im Schatten der Vergangenheit

Die BayernLB will Schadensersatz von ihren Ex-Vorständen für das Milliardendebakel um die marode Hypo Alpe Adria. Unter ihnen: Michael Kemmer. Für den neuen Geschäftsführer des Bankenverbandes geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Karriere.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Es ist wohl der emotionale Höhepunkt in der Karriere des Michael Kemmer. Hunderte von BayernLB-Beschäftigten haben sich an jenem eisigen Oktoberabend 2008 im Innenhof der Landesbank zu einer Demonstration versammelt. Dem beliebten Vorstandschef droht der Rauswurf. „Wir wollen Kemmer“, skandieren die Demonstranten. Und tatsächlich: Der Vorstandschef tritt mit einem Megafon aus dem Gebäude und lässt sich – sichtlich bewegt – wie ein Volkstribun feiern.

Nur zwei Jahre später sieht die Welt ganz anders aus.

Kemmer hat die BayernLB trotz aller Solidaritätsbekundungen längst verlassen. Und nun will die BayernLB ihren einst bei den Mitarbeitern so beliebten Chef sogar auf Schadensersatz verklagen. Schließlich war er als damaliger Finanzvorstand am desaströsen Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) maßgeblich beteiligt, die sich im Nachhinein als Milliardengrab herausstellte.

Und die Welt sieht nicht nur für Kemmer allein ganz anders aus.

Auch Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt soll laut einem Verwaltungsratsbeschluss zahlen. Zudem musste Vorstand Stefan Ropers, noch letzter aktiver BayernLB-Vorstand aus der damaligen Zeit, am Dienstag mit sofortiger Wirkung ausscheiden.

Gerade für Kemmer geht es nicht nur ums Geld – sondern um die Karriere. Gerade erst hat er als Hauptgeschäftsführer beim Bankenverband (BdB) angeheuert. Zwar betonte der Verband auch am Dienstag, dass er trotz der drohenden Schadensersatzklage zu seinem Spitzenmann steht. „Er ist der ideale Mann für den Job“, sagte ein Sprecher. Und in Finanzkreisen wird betont, dass eine Klage schon bei der Einstellung ins Kalkül gezogen worden sei.

Dennoch ist die Berufung des Bankmanagers nicht unumstritten. Schließlich ist die Vergangenheit der BayernLB – und damit Kemmers Rolle – noch längst nicht aufgearbeitet. „Es ist einigermaßen instinktlos, so ein Signal zu setzen“, sagt Michael Aßländer, Vorstand des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik, dem Handelsblatt. Natürlich könnten sich der Verband und Kemmer auf die Unschuldsvermutung berufen. Das Signal an die Steuerzahler, die die BayernLB auffangen mussten, sei aber fatal. Es entstehe der Eindruck, dass die Branche weitermache mit schlecht beleumundetem Führungspersonal: „Das zeugt weder von Einsicht noch von Reue und ist moralisch alles andere als klug.“

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