Ex-BDI-Chef
Rogowski ist kein Typ für den Ruhestand .

Michael Rogowski kokettiert hin und wieder gern damit, dass er sich ab seinem 70. Geburtstag mehr Zeit für seine Hobbys Golf und Skifahren im Tiefschnee nehmen will. Heute ist also der Tag gekommen - aber es wird wohl vorerst nichts daraus. Der ehemalige BDI-Präsident hat erst vor wenigen Tagen einen schwierigen und hochsensiblen Job angenommen.

STUTTGART. Mitten in der Rezession wird er erneut im Rampenlicht stehen. Kanzlerin Angela Merkel hat ihn in den Lenkungsrat berufen, der der Regierung empfehlen soll, welche Unternehmen Hilfen aus dem 100 Mrd. Euro schweren Rettungsfonds erhalten sollen.

Rogowski ist keiner, der sich in solchen Situationen wegduckt. Aber er ist auch keiner, der nur mitmacht. Der promovierte Wirtschaftsingenieur wird das dominierende Gesicht dieses achtköpfigen Gremiums sein. Auf ihn wartet eine Gratwanderung und Schlagzeilen, die vom "Retter" bis zum "Totengräber" reichen werden.

Die Kanzlerin gilt nicht unbedingt als Freund Rogowskis, der in seiner Zeit als BDI-Chef gegenüber der Politik kaum ein Blatt vor den Mund nahm. Auch vor heftigen verbalen Auseinandersetzungen mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder schreckte der schlagfertige Manager nicht zurück, wenn es um die Freiheit des Wettbewerbs ging. Aber auf seine Expertise mag Merkel nicht verzichten. Inzwischen soll Rogowski auch diplomatischer geworden sein.

Als Manager ist Rogowskis Namen untrennbar mit Voith verbunden. Dass es das Familienunternehmen mit heute 43 000 Beschäftigten und fast fünf Mrd. Euro Umsatz überhaupt noch gibt, ist maßgeblich sein Verdienst. Gemeinsam mit seinem damaligen Finanzchef und späteren Nachfolger Hermut Kormann löste er 1992 den tiefen Interessenkonflikt zweier Eigentümerfamilien. Ein Stamm wurde teuer ausbezahlt. Trotz dieser Last schaffte Voith unter Rogowskis Führung von 1986 bis 2000 eine Verdreifachung des Umsatzes auf damals fünf Mrd. DM.

Wegen seiner Durchsetzungskraft bekam er intern den Spitznamen "Rigorowski". Aber er führte nicht nur mit Härte, sondern auch mit Humor. Als ihn ein Arbeitnehmervertreter einmal abends wiederholt auf die polnische Herkunft seines Namens ansprach, sagte der gebürtige Stuttgarter kurzerhand, Rogowski heiße ins Schwäbische übersetzt "Häberle". Und er könne ihn auch ab jetzt "Herr Häberle" nennen. Was der inzwischen pensionierte Voith-Mitarbeiter anschließend auch jahrelang tat.

Noch heute ist Rogowski als Chef des Aufsichtsrats und Gesellschafterrats die Schlüsselfigur im Hintergrund des Herstellers von Papiermaschinen, Kraftwerkskomponenten und Lokomotiven. In Heidenheim wird ihm zu Ehren in der nächsten Woche ein großer Empfang gegeben.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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