EX-Boss-Chef Baldessarini
Schee, Indianer und wilde Partys

Werner Baldessarini, Modezar und Lebemensch, kauft jetzt für einen nicht genannten Millionenbetrag sein eigenes Label zurück. Dabei glaubte der Ex-Vorstandschef des bekanntesten deutschen Modekonzerns Boss sein Modelabel bei seinem alten Arbeitgeber gut aufgehoben.

MÜNCHEN. Er hat es schön gemütlich, gleich hinter der Grenze: Hübsch renoviert wohnt Werner Baldessarini im österreichischen Kitzbühel und hatte sich nach eigenem Bekunden auf aktiven Ruhestand eingerichtet. Zeit wollte er haben, für sich, seine Frau und die zahllosen Hobbys. Denn einen Konzern mit 7 000 Leuten zu führen, das sei viel Stress, hat der gebürtige Österreicher bei seinem Abschied als Boss-Chef vor vier Jahren gesagt. Doch noch mehr Stress ist es wohl zuzusehen, wie das eigene Lebenswerk vor die Hunde geht.

Baldessarini, Modezar und Lebemensch kauft jetzt für einen nicht genannten Millionenbetrag sein eigenes Label zurück. Seinem Nachfolger Bruno Sälzer passt die Luxuslinie seit Jahren nicht mehr ins Konzept. Zu schwach die Umsätze, von Renditen war nie die Rede. Und Baldessarinis teure und extravagante Mode durchkreuzte dem kühlen Rechner Sälzer die Pläne: Wenn schon teure Anzüge, dann sollten sie aus dem Hause Boss kommen. Spätestens Anfang 2007 sollte Baldessarini eingestellt und das hauseigene Denkmal des Vorgängers geschleift werden. Das konnte Baldessarini nicht auf sich sitzen lassen.

„Trends vergehen, was bleibt, ist Persönlichkeit“, sagt Werner Baldessarini, der 26 Jahre lang mit seiner Vorliebe zu edlem dunklen Tuch die Linie im Hause Boss vorgegeben hat. Am Münchener Goetheplatz wuchs er auf, mit Müh und Not schafft er die mittlere Reife. Die Lehre macht er beim Textilhändler Hirmer. Die Zeiten des Wirtschaftwunders sind goldene für Anzugverkäufer. Beim feinen Herrenausstatter wird er rasch Abteilungsleiter, Chefeinkäufer. Dann trifft der die Brüder Holy.

Denen gehört damals die etwas verschlafene Anzugfabrik Boss. Schnell erkennen die Holy-Brüder, dass sie in Baldessarini den richtigen Kopf für die Mode ihrer Marke gefunden haben, und lassen ihm weitgehend freie Hand. Vor allem in den achtziger Jahren trifft der Bauchmensch Baldessarini den neuen Zeitgeist: Schluss ist es mit Jeans und Schlabberlook, die Aufsteiger der Kohl-Ära verlangen wieder nach strengem Tuch. Boss wird Kult unter Deutschlands Yuppies. Die Holy-Brüder scheiden aus, Baldessarini steigt in den Vorstand auf, 1998 übernimmt er den Vorstandsvorsitz.

Boss ist mittlerweile eine Weltmarke, und Baldessarini hat sich im Haus die gestalterische Krone aufgesetzt. Sein eigenes Label soll nur die Superreichen zieren: Extravagante Anzüge, Schlangenledergürtel und Dachsfelldecken zieren die Kollektion. Doch der hohe Marketingaufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Für den Konzern werden die Zeiten schwieriger. Die neu eingeführte Damenkollektion macht Verlust, Baldessarini gerät unter Druck. Im Sommer 2002 tritt er ab.

Sein Label aber läuft weiter, sein Name ist Event. Baldessarini fröhnt seinen Hobbys: Indianer und Partys. Wildwestfeiern im Kitzbüheler Winter ziehen den österreichischen Finanzminister Karl-Heinz Grasser ebenso an wie Schauspielgröße Uwe Ochsenknecht. Mag sein, dass Baldessarinis neue Winterkollektion in diesem Jahr ganz auf die Bedürfnisse der Kitzbüheler Schneeindianer zugeschnitten wird.

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