Ex-Chef Dietmar Kuhnt wird 70
Der große Reformer der RWE

Harry Roels, Jürgen Großmann – bereits zwei Vorstandschefs sind nach seinem Abgang an die RWE-Spitze gerückt. Doch Dietmar Kuhnt wird noch immer von preußischer Pflichterfüllung und großem Interesse am Konzern angetrieben.

DÜSSELDORF. Fast täglich fährt er in sein Büro im zweiten Stock des gläsernen RWE-Turms, um dort zu arbeiten. Da dürfte der große, schlanke Mann in letzter Zeit für ein Thema besonders geworben haben: die Tochter American Water im Konzern zu behalten. Offensichtlich mit Erfolg.

Am Donnerstag hat RWE verkündet, dass der Börsengang des amerikanischen Wasserkonzerns verschoben wird. Die Verkaufserlöse würden in Zeiten der Finanzkrise zu gering ausfallen. Das Wassergeschäft gehört zu einem wesentlichen Bestandteil von Kuhnts Strategie, mit der er den Konzern in der wichtigen Phase nach dem Ende des Strommonopols im Frühjahr 1998 völlig neu aufstellt. Nach einem Abstecher in die Telekommunikation konzentriert er RWE auf das Geschäft mit Strom, Gas, Wasser und Entsorgung: „Wir wollen dem Kunden alles zur Daseinsvorsorge aus einer Hand anbieten.“ RWE zählt damals nach einigen Übernahmen zu den großen drei im weltweiten Wassergeschäft. Und die Fusion mit dem Energiekonzern VEW ist sein zweiter großer Coup.

Kuhnts Erfolgsstory auf dem Weg zum kompletten Versorger ist mit einer relativ hohen Verschuldung verbunden. Sein Nachfolger, Harry Roels, korrigiert dessen Lebenswerk später und beginnt, die Wassersparte zu verkaufen. Übrig bleibt bis heute nur American Water.

Trotz der Korrektur haben die unternehmerischen Weichenstellungen des gebürtigen Breslauers, der mit seinen Eltern ins rheinische Neuss flüchtete und in Jura promovierte, den Konzern maßgeblich geprägt: Er versöhnt die kommunalen und privaten RWE-Eigentümer und setzt den Monopolisten erfolgreich auf Liberalisierungskurs.

Zu den Charaktereigenschaften Kuhnts, dessen RWE-Karriere 1968 in der Rechtsabteilung beginnt und die ihm von 1995 bis Anfang 2003 den Vorstandsvorsitz beschert, gehören Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und energiepolitisches Stehvermögen. Er kämpft lebenslang dafür, die Kernkraft zu nutzen, und lässt gleichzeitig die Kohlekraftwerke modernisieren.

Ex-Vorstandskollegen bescheinigen ihm „ein gutes politisches Gespür“. Eine Konfrontation wie momentan zwischen Politik und Energiebranche hätte es damals nicht gegeben. Am Freitag wird Kuhnt 70 Jahre alt.

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