Ex-Chef von Infineon
Schumacher siegt vor Gericht

Der Halbleiterhersteller Infineon hat vor dem Landgericht München eine schwere Schlappe erlitten. Das Unternehmen muss den bislang zurückgehaltenen Teil der Abfindung für seinen ehemaligen Vorstandschef Ulrich Schumacher jetzt doch überweisen.

MÜNCHEN. Der Manager bekommt 2,6 Millionen Euro plus Zinsen. Infineon hatte sich bislang geweigert, das Geld zu bezahlen. Der Grund: Die ehemalige Siemens-Tochter wirft Schumacher „Pflichtverletzungen bei seiner Amtsführung“ vor. Es geht um die Vermischung von privaten und dienstlichen Interessen.

Schumacher war im Frühjahr 2004 überraschend zurückgetreten. Seither liegt er im Clinch mit Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. Der strich Schumacher im vergangenen Herbst nicht nur die Hälfte der Abfindung. In einem Interview, in dem er Schumacher als nicht mehr haltbar für den Konzern darstellte, hatte er den früheren Topmanager zuvor auch frontal angegriffen. Ursprünglich hatte Kley mit Schumachers Anwälten eine Abfindung von 5,25 Millionen Euro vereinbart. Eine Hälfte zahlte der Konzern aus. Den zweiten Teil hielt der Aufsichtsrat zurück, als die Vorwürfe gegen Schumacher im vergangenen Herbst publik wurden.

So soll Schumacher private Flüge mit Firmenjets unternommen haben. Infineon behauptet auch, Schumacher habe bei Urlaubsreisen geschäftliche Termine vereinbart, um First-Class-Flüge auf Firmenkosten zu rechtfertigen. Darüber hinaus habe er einen Mercedes-Van als zweiten Dienstwagen für sich und seine Frau bestellt, um ihn privat zu nutzen. Damit ist die Liste der Verfehlungen, die Infineon vor Gericht aufgeführt hat, aber noch nicht zu Ende. Schumacher soll auch der Nichte eines Geschäftspartners ein Jobangebot für eine Stelle in New York gemacht – und damit private mit dienstlichen Dingen vermischt haben. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Schumacher in einer Korruptionsaffäre rund um das Motorsportengagement von Infineon.

Im gestrigen Urteil heißt es, dass diese Vorwürfe nicht ausreichen, um das Geld zurückzuhalten. Denn einerseits habe der Aufsichtsrat von den Verfehlungen bereits gewusst, als die Abfindungsvereinbarung geschlossen wurde. Andererseits gebe es keine Belege für den Vorwurf, dass Schumacher den Mercedes privat nutzen wollte. Dasselbe gelte für die Beschuldigungen im Motorsportsponsoring. Ein Sprecher Schumachers sagte, es sei „befremdlich, dass die Gerichte benutzt werden müssten, um offensichtliches Recht zu erhalten“.

Infineon muss das Geld zunächst zwar zahlen. Ein Sprecher kündigte aber an, jetzt werde die Firma ein so genanntes Nachverfahren anstrengen. Das Urteil von gestern beruht auf einem Urkundsverfahren, in dem nur Ansprüche und Einwendungen berücksichtigt wurden, für die Dokumente vorlagen. Im nächsten Verfahren können dann auch Zeugen und Sachverständige gehört werden. Der Unternehmenssprecher verteidigte gestern das Vorgehen von Infineon: „Der Aufsichtsrat hat keine andere Wahl gehabt, als das Geld zurückzuhalten.“ Denn ein externes Rechtsgutachten habe ergeben, dass Schumacher seinen früheren Arbeitgeber geschädigt habe.

Schumacher war im März 2004 nach einem Machtkampf im Management als Vorstandschef abgelöst worden. Der schwache Aktienkurs, die geplante Verlegung der Konzernzentrale ins steuergünstige Ausland, aber auch Schumachers bisweilen rigider Managementstil hatten zu seinem Rauswurf geführt.

Seit September 2004 führt Wolfgang Ziebart das Unternehmen, doch der Konzern kommt nicht zur Ruhe. Im Juli 2005 musste der Chef der Speicherchipsparte, Andreas von Zitzewitz, gehen. Zitzewitz und ein Kompagnon sollen „Provisionszahlungen“ der Agentur BF Consulting erhalten haben, die dem Konzern im Gegenzug Sponsoringverträge im Motorsport vermittelt hat. Derzeit läuft ein Verfahren gegen BF-Chef Udo Schneider.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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