Ex-Dresdner-Bank-Manager
Fischer will BHF Bank kaufen

Das „Wunderkind“ Leonhard Fischer strebt eine Übernahme der BHF Bank von der Deutschen Bank an. Der Kaufpreis soll bei rund einer halbe Milliarde Euro liegen. Fischer kann bei dem Deal seine guten Kontakte nutzen.

FrankfurtSeine Vision hatte Leonhard "Lenny" Fischer schon vor Jahren in einem Frankfurter Hotel geschildert: in Deutschland eine Mittelstandsbank aufzubauen, vergleichbar mit den britischen Merchant Banks, die Dienstleistungen aus einer Hand anbietet, die Unternehmer versteht und wo Geschäfte per Handschlag besiegelt werden.

Das Streben des Ex-Dresdner-Bank-Managers, der schon mit 36 Jahren in den Vorstand berufen worden war und als "Wunderkind" gefeiert wurde, war klar: Fischer wollte nicht länger nur der smarte Händler und Investmentbanker sein. Doch seine Vision erfüllte sich nicht sogleich: Die Übernahme der Mittelstandsbank IKB klappte nicht. Doch jetzt kommt der drahtige Manager mit der hohen Stirn, den tiefen Geheimratsecken und den großen Augen der Verwirklichung seiner Vision sehr nah.
Denn mit der angestrebten Übernahme der BHF Bank von der Deutschen Bank für rund eine halbe Milliarde Euro würde Fischer erhobenen Hauptes in die Frankfurter Finanzgemeinde zurückkehren. "Er war die ganze Zeit über auch in Deutschland bestens verdrahtet, aber nicht so visibel", sagte gestern ein Banker in der Mainmetropole.

Der internationalen Finanzszene ist der extrovertierte Manager nie verloren gegangen. Der heute 48-jährige Fischer stieg 2007 beim Private-Equity-Haus RHJ International ein und schuf seitdem relativ geräuschlos ein kleines europäisches Finanzkonglomerat. Im vergangenen Jahr kaufte er von der Commerzbank den britischen Vermögensverwalter Kleinwort Benson zurück, und 2009 war der Einstieg bei der deutschen Privatbank Quirin gelungen. Für Schlagzeilen sorgte sein Interesse am Autobauer Opel - dabei musste aber auch Fischer erkennen, dass das Image der Finanzinvestoren durch die Kritik des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering, der diese als "Heuschrecken" bezeichnet hatte, in Deutschland stark beschädigt war. Auch das Modell "Insignia", das sich Fischer vorübergehend als Dienstwagen leistete, half da wenig.

Fischer ist nicht unumstritten. Von Kritikern wird er wegen seiner Ruhelosigkeit als "bunter Hund" beschrieben, Weggefährten loben ihn für seine schnelle Auffassungsgabe und sein "Feeling" für Situationen. "Er sieht an Kleinigkeiten und Gesten, ob etwas funktioniert oder nicht", sagt einer.

Dabei zahlt sich auch seine jahrelange Erfahrung aus. Nach dem Studium an der University of Georgia stieg Fischer 1985 bei der Investmentbank J. P. Morgan ein. Zehn Jahre später wechselte er zur Dresdner Bank, wo er 1999 in den Vorstand aufrückte. Nach seinem Ausscheiden Ende 2002 wurde der verheiratete Familienvater Chef der Winterthur-Versicherung und veräußerte für den Konzern Credit Suisse, den Versicherer.

Um den Kauf der BHF Bank zu stemmen, ist nun sein ganzes Geschick gefragt. Die Gespräche mit der Deutschen Bank laufen zwar exklusiv, doch Fischer braucht einen zweiten Investor an seiner Seite. Bei der Suche wird ihm wohl sein Netzwerk helfen. Dazu gehören einflussreiche Köpfe wie Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner und BayernLB-Chef Gerd Häusler. Letzterer sitzt praktischerweise auch im Kontrollgremium des Finanzinvestors RHJ.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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