Ex-Enron-Chef ist tot
Kenneth Lay – Held oder Schurke?

Der Ex-Chef des ehemaligen US-Energieriesen Enron, Kenneth Lay, ist tot. Lay verkörperte den US-Traum von Aufstieg und Erfolg wie kaum ein anderer. Aber auch sein Fall war spektakulär.

NEW YORK/DÜSSELDORF. „Schuldig“. Ein Raunen ging durch den Gerichtssaal im texanischen Houston, als Richter Simeon T. Lake III. Ende Mai das Urteil gegen Kenneth Lay verkündete. Lay, tadellos im korrekten Blau des Wall-Street-Geschäftsmanns gekleidet, nahm den Spruch mit unbewegter Miene hin. Der vorläufige Schlussstrich unter eine der spektakulärsten Firmenpleiten in der US-Geschichte war gezogen.

Viele konnten es bis zuletzt nicht glauben. Der Mann mit der Halbglatze, den Lachfältchen und den freundlichen Augen soll ein Betrüger sein? Er, der ideale Vatertyp? Er, der auch gleichzeitig einer von ihnen war, den Mitarbeitern des damals weltgrößten Energiehandelskonzerns Enron?

Der Ex-Konzernchef Lay löst bei vielen Ex-Enronianern bis heute ein Wechselbad der Gefühle aus. „Es ist so, als ob dich dein Superheld zuerst aus der Gosse holt und dir anschließend alles wieder wegnimmt“, beschrieb es Garrett Ashmore, dem Lay als Schüler einen Austausch nach Russland spendierte und später als diplomierten Ökonomen für Enrons Breitbandsparte einstellte. Ken Lay, der gute, treu sorgende Firmenchef.

Doch eine US-Jury kam Ende Mai zu einem klaren Ergebnis: Sie fand Lay und den weiteren Ex-Enron-Chef Jeff Skilling der Verschwörung und des Betruges im Zusammenhang mit der spektakulären Enron-Pleite im Jahr 2001 für schuldig. Gestern ist Lay im Alter von 64 Jahren in einem Krankenhaus in Aspen an einem Herzinfarkt gestorben. Das teilte seine Familie mit.

Lay jedenfalls verkörpert den US-Traum von Aufstieg und Erfolg wie kaum ein anderer. Der Sohn eines Baptistenpredigers wächst in armen Verhältnissen auf. In seiner Jugend reicht es manchmal nicht für den traditionellen Truthahn zum Erntedankfest. Trotzdem schafft er es mit 27 Jahren zum Professor an der renommierten George-Washington-Universität. Als Chef von US-Gasunternehmen und von Enron wird er schließlich zum Multimillionär. Doch selbst dann sei er mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben, schwören seine Fans. Auf protzige Sportautos etwa verzichtet er und fährt lieber seinen alten Cadillac.

In seinen besten Jahren war er einflussreicher Förderer und Freund des US-Präsidenten George W. Bush, seine größte öffentliche Demütigung musste er hinnehmen, als er im Juli 2004 in Handschellen dem Haftrichter vorgeführt wurde. „Fluchtgefahr“ war die Begründung.

Mit Lay und Enron gingen unwiderruflich die Zeiten zu Ende, in denen „White Collar“-Angeklagte mit Samthandschuhen behandelt wurden. Auch Lay hätte seine Gefängnisstrafe in einem normalen Knast absitzen müssen.

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