Ex-Firmenchefs in Bedrängnis
Enron-Prozess vor der Wende

Der bevorstehende Prozess gegen die ehemaligen Spitzenmanager des US-Konzerns Enron steht vor einer bedeutenden Wende.

NEW YORK. Richard Causey, Ex-Chef-Buchhalter des vor vier Jahren Pleite gegangenen Energiehändlers und einer der drei Angeklagten, hat mit der Staatsanwaltschaft offenbar einen Tauschhandel vereinbart. Causey kündigte vor einem Gericht in Houston an, er werde sich des Wertpapierbetrugs für schuldig bekennen. Das kann ihn für zehn Jahre hinter Gittern bringen. Beobachter vermuten jedoch, dass er sich von einer Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft eine Strafminderung erhofft.

Das Geständnis des obersten Buchhalters könnte die beiden ehemaligen Enron-Chefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling schwer belasten. Die Staatsanwälte werfen den beiden Managern unter anderem Konspiration und schweren Betrug vor. Enron war 2001 nach massiven Bilanzmanipulationen in Konkurs gegangen. Mehr als 5 000 Arbeitsplätze und 800 Mill. Dollar Pensionsvermögen wurden praktisch über Nacht vernichtet. Lay und Skilling bestreiten die Vorwürfe und haben die Schuld ihrem ehemaligen Finanzvorstand Andrew Fastow zugeschoben. Der verbüßt nach einem Geständnis bereits eine Gefängnisstrafe von zehn Jahren.

Causey könnte seine Vorgesetzten vor allem deshalb in Bedrängnis bringen, weil er über die dubiose Rechnungslegung des Konzerns bestens informiert war. Außerdem hat er nach Meinung von Experten mehr Glaubwürdigkeit als der bereits verurteilte Fastow. Anders als Fastow hat Causey eher im Hintergrund gewirkt und weitaus weniger von den Bilanzfälschungen profitiert. „Er ist eine weitere Person, die den Finger auf Skilling und Lay zeigt“, sagte der ehemalige Staatsanwalt Brad Lewis der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Für die Anwälte von Lay und Skilling ist das Schuldeingeständnis des Ex-Buchhalters ein Rückschlag. Daniel Petrocelli, Verteidiger von Skilling, hatte zuvor bereits angekündigt, dass er eine Verschiebung des Verfahrens beantragen werde. Der Prozess soll am 17. Januar in Houston beginnen. Bislang hatten die Anwälte der drei Angeklagten eine gemeinsame Verteidigung geplant. Diese Strategie ist jetzt hinfällig. „Wenn wir Causey verlieren, müssen wir uns neu formieren“, sagte Petrocelli.

Außerdem versucht die Verteidigung weiterhin, das Verfahren in eine andere Stadt zu verlegen. In dem Enron-Sitz Houston, so argumentieren die Anwälte, seien die potenziellen Geschworenen voreingenommen. Richter Simeon Lake hat jedoch bislang derartige Anträge abgelehnt. Experten rechnen zudem damit, dass er allenfalls eine Verschiebung des Verfahrens um wenige Wochen genehmigen wird.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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