Ex-Handelsblatt-Chefredakteur Rainer Nahrendorf
Durch und durch ein Zeitungsmann

Die wichtigste Nachricht gleich vorweg: Rainer Nahrendorf bleibt dem Handelsblatt auch künftig als Autor erhalten – selbst wenn er am Freitag offiziell in Pension geht.

DÜSSELDORF. Zwar witzelt der 63-Jährige in diesen Tagen gern, er habe sich seinen „Rentnerausweis schon abgeholt“. Aber in Wahrheit will und kann der ehemalige Chefredakteur das Recherchieren und Schreiben doch nicht lassen.

Seit 1972 prägte der überzeugte Marktwirtschaftler als politischer Redakteur die publizistische Linie des Handelsblatts. Eigenwillig, manchmal auch dickköpfig, aber immer leise setzte er seit 1989 als Chefredakteur – gemeinsam mit Waldemar Schäfer und Hans Mundorf – große Veränderungen in der Zeitung durch. Unter ihm begann die Umwandlung einer Nischenzeitung in ein aktuelles Wirtschaftsblatt mit politischem Anspruch, das sich zunehmend im Wettbewerb mit den anderen überregionalen Tageszeitungen behaupten konnte. So führte Nahrendorf nach dem Vorbild der Seite 3 in der „Süddeutschen Zeitung“ eine Report-Seite ein, die in den letzten Jahren zum journalistischen Schaufenster des Handelsblatts geworden ist.

Als Chefredakteur förderte er über die Jahrzehnte gezielt zahlreiche Redakteure und Korrespondenten, die heute im Handelsblatt und in vielen anderen Redaktionen zu den wichtigsten Wirtschaftsjournalisten der Republik gehören. In den ersten Jahrzehnten der Handelsblatt-Existenz galt nur die Fachkompetenz als Markenzeichen der Zeitung; Nahrendorf brachte nach und nach immer mehr gute Schreiber in die Redaktion, die für eine Verbindung von Substanz und Stil sorgten. Als er im Januar 2002 das Zepter weiterreichte, übergab er eine ganz andere Zeitung als er übernommen hatte.

Seitdem war Nahrendorf als Chefkorrespondent des Handelsblatts beharrlich und bescheiden zugleich auf der Jagd nach den kleinen wirtschaftspolitischen Hintergrundgeschichten, die nur jemand mit seinem großen Wissen entdecken konnte. Anders als viele andere seines Fachs verlernte Nahrendorf niemals die hartnäckige Recherche. In einem Buch zum 50. Jahrestag des Handelsblatts schrieb er, jede Ausgabe der Zeitung sei das Ergebnis von Team-Arbeit und Individualität der Autoren. So beschreibt man auch den eingeschworenen Zeitungsmann selbst am besten: als Team-Player und Individualisten.

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