Ex-Handy-Chef von Siemens
Lamprecht zurück im Telefongeschäft

Der ehemalige Handy-Chef von Siemens geht in den Aufsichtsrat von Nokia Siemens Networks.

MÜNCHEN. Niemand wird bestreiten, dass sich Rudi Lamprecht in der Telekommunikationsbranche bestens auskennt. Schließlich führte der gebürtige Schwarzwälder jahrelang die Mobilfunksparte von Siemens. Und heute ist er im Zentralvorstand unter anderem für Russland zuständig.

Dennoch sorgte sein Wechsel in den Aufsichtsrat des Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks (NSN) gestern am Konzernsitz in München für einige Verwunderung. Denn die Kommunikationssparte (Com) von Siemens macht seit Monaten durch schwarze Kassen von sich Reden - und Lamprecht war einer der führenden Manager dieses Geschäftsgebiets.

Lamprecht ersetzt Siemens-Chef Peter Löscher in dem Kontrollgremium. Siemens begründete den Schritt damit, dass Löscher neben dem Vorstandsvorsitz keine internen Ämter besetzen und den Posten bei NSN einem Kollegen überlassen wolle, der die Branche kenne. Löscher rückte vor einem Vierteljahr an die Siemens-Spitze, nachdem Klaus Kleinfeld den Job im Zuge der Ermittlungen rund um die Korruptionsaffäre aufgegeben hatte.

Seit der Skandal im vergangenen Herbst bekanntwurde, wird spekuliert, inwiefern das Management der Kommunikationssparte über die Vorgänge informiert war. Mit Thomas Ganswindt ist ein ehemaliger Spitzenmanager von Com bereits ins Visier der Ermittler geraten. Lamprecht dagegen gilt bislang als unbelastet. Ein Siemens-Sprecher wollte sich gestern nicht dazu äußern, ob eine mögliche Verstrickung des 58-Jährigen in die Affäre bereits untersucht worden sei.

In dem Joint Venture NSN haben Siemens und der finnische Mobilfunkspezialist Nokia ihr Geschäft mit Telefonnetzen gebündelt. Das Unternehmen ging im Frühjahr wegen der Korruptionsaffäre von Siemens mit einem Vierteljahr Verspätung an den Start.

Lamprecht war bis Herbst 2004 Chef der Mobilfunksparte von Siemens. Anschließend zog er in den Zentralvorstand ein, das oberste Entscheidungsgremium des Konzerns. Der Manager hinterließ beim Mobilfunk einen Scherbenhaufen: Wenige Monate nach seinem Abschied verschenkte Kleinfeld das Geschäftsfeld an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ. Die Asiaten waren damit überfordert. Ein Jahr später war BenQ Mobile pleite. Dennoch ist der Diplom-Informatiker bei Siemens hoch angesehen. Er gilt als talentierter Verkäufer, der andere gut für sich einzunehmen vermag.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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