Ex-HRE-Chef Funke
Westfälischer Dickschädel klagt erfolgreich Gehalt ein

Seine Rolle bei der Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate sorgt für Diskussionen, dennoch hat Ex-HRE-Chef Georg Funke erfolgreich auf Fortzahlung seines Gehalts geklagt. Das Landgericht München gab ihm bei seiner Forderung nach zwei Monatsgehältern Recht. Dabei ging es dem Westfalen gar nicht so sehr ums Geld.
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MÜNCHEN. Nein, natürlich hat sich Georg Funke auch heute nicht sehen lassen in der Stadt, in der er eine formidable Karriere hinlegte und dann so tief stürzte wie nur wenige andere deutsche Banker in der Finanzkrise. Funke habe fast alle Kontakte abgebrochen, sagt ein langjähriger Vertrauter des Ex-Bankers. Dieser lebt dem Vernehmen nach im sonnigen Ausland. So entzieht er sich zumindest teilweise der Diskussion über seine Rolle beim Beinahezusammenbruch der HRE, die nur durch die Verstaatlichung gerettet werden konnte.

Die Anwesenheit seiner Anwälte reichte heute für einen Teilerfolg: Das Landgericht München I hat ihm im Zivilprozess bei seiner Forderung nach zwei Monatsgehältern Recht gegeben. Funke habe Anspruch auf zusammen gut 150 000 Euro. Ob Funke auch Anspruch auf das Wiederinkrafttreten seines ursprünglich bis 2013 laufenden Vertrages und damit eine Millionensumme hat, soll ab dem kommenden Jahr geklärt werden.

Die HRE will gegen die Entscheidung vorgehen. „Wir werden nicht zahlen und das Urteil nicht akzeptieren“, sagte Harald Pospischil aus der Rechtsabteilung des einstigen Dax-Konzerns. In dem sogenannten Urkundsprozess, der ein schnelles, aber vorläufiges Urteil bringen sollte, konnten nur Beweise durch Urkunden erbracht werden. Daraus ergäben sich keine Pflichtverletzungen des Ex-Chefs, die den Rauswurf rechtfertigten, sagte Richter Helmut Krenek. Für das Hauptverfahren sei dies aber keine Präjudiz. Dort dürften im nächsten Jahr auch Gutachter und Zeugen zu Wort kommen.

Krenek hatte aber auch hier schon „erhebliche Bedenken“ gegen die Ende 2008 auf Druck der Politik erfolgten Kündigungen angemeldet. Funke und zwei weitere Ex-Vorstände seien nicht für die Finanzkrise verantwortlich, die die HRE an den Rand des Abgrunds brachte, sagte er im Mai.

Eine Überraschjung ist das Urteil nicht – die Chancen standen nach Einschätzung von Prozessbeobachtern gut, dass Funke und sein ehemaliger Finanzvorstand Markus Fell den Prozess gewinnen würden: "Wenn der Arbeitsvertrag wasserdicht ist, führt daran kein Weg vorbei", sagte selbst Aktionärsschützer Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Dabei ist es wohl weniger Geldgier, die Funke hat klagen lassen, als die ihm eigene Rechthaberei. Statussymbole waren ihm eher fremd. Als er nach der Ausgliederung des gewerblichen Immobiliengeschäfts der Hypo-Vereinsbank die HRE an die Börse führte, galt er als bodenständiger Vertreter seiner Art. Doch eines sagen fast alle, die enger mit ihm zu tun hatten: Ein westfälischer Sturschädel ist der gebürtige Gelsenkirchener schon. Bis zuletzt war er überzeugt davon, dass nur wenige das Geschäft so gut verstünden wie er.

Schuldbewusstsein hat der 55-Jährige noch nicht gezeigt, obwohl vor allem der von ihm initiierte Kauf der Staatsfinanzierungstochter Depfa die Bank ruinierte. Erschwerend kommt hinzu, dass jedes Schuldeingeständnis für ihn juristische Folgen haben könnte. Anleger klagen auf Schadensersatz, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Funke. Darum wird er in der Öffentlichkeit wohl weiter schweigen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Ex-HRE-Chef Funke: Westfälischer Dickschädel klagt erfolgreich Gehalt ein"

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  • Das Geschäft verstehen

    Welches Geschäft verstand Hr. Funke? Wenn kurzlaufende Darlehen niedrigere Zinsen haben als langlaufende Darlehen dann steht die Theorie der Zinsbemessung Kopf. Diesen Zustand hat es gegeben und mag es immer mal wieder geben als Anormalität. Darauf ein Geschäftsmodell zu bauen ist auf Treibsand bauen - wenigstens wenn man keine funktionierende Exitstrategie hat. Und eine Exitstrategie hatte Hr. Funke nicht. Sondern nur seinen Dickkopf.

  • Solche Typen wären nur durch einen Sondergerichtshof mit erweiterten Rechten beizukommen. Aber das ist doch überhaupt nicht gewollt. Denn die Gesetze die uns vor solchen Typen schützen sollten sind so schön kompliziert gemacht das sie die Täter schützen.

  • @Frankfurter
    Was meinst Du wohl, warum die Medien gerade emsig dabei sind, ein Feindbild namens islam aufzubauen?
    Das ganze ist doch über den Sarrazin perfekt inszeniert und von der Politik so gewollt. So kann das Dummvolk prima den Schuldigen ausmachen...

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