Ex-KfW-Chef wird Chefkontrolleur des Citigroup-Privatkundengeschäfts
Hans W. Reichs Rückkehr auf die große Bühne

Der langjährige Chef der KfW, Hans W. Reich, wird neuer Aufsichtsratschef des deutschen Citigroup-Privatkundengeschäfts: Zwar hat das Image des 67-jährigen durch die IKB-Krise Kratzer bekommen, doch an der Kompetenz des Familienvaters gibt es keine Zweifel. Erhobenen Hauptes will der Ex-KfW-Chef nun seine neue Chance nutzen.

FRANKFURT. „Ich möchte, dass die KfW für die Zukunft sauber aufgestellt ist“, hat Hans W. Reich einmal gesagt. Gemessen daran, hat der langjährige Chef von Deutschlands größter Förderbank versagt. Denn wegen der Milliardenbelastungen durch die IKB steckt die KfW in der größten Krise seit ihrer Gründung 1948. Vielleicht war es auch genau aus diesem Grund in den vergangenen Monaten so ruhig um den 67-Jährigen. Doch jetzt ist Reich zurück: Ab September wird er Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Citigroup-Privatkundengeschäfts. Seine Funktion als Leiter der für den öffentlichen Sektor zuständigen Geschäftseinheit behält er zudem.

Der neue Job – vielleicht ja auch ein wenig der Versuch zu zeigen, dass man weiter erhobenen Hauptes vor die Tür treten will. „Die Vorgänge bei der IKB nagen an ihm“, heißt es im Umfeld des gebürtigen Breslauers. Dabei steht außer Frage: Reich ist keineswegs der einzige Verantwortliche, wenn es um die Milliardenpannen bei der IKB geht. Zwar saß er im Aufsichtsrat der Düsseldorfer Mittelstandsbank und zeichnete 2001 als Vorstandssprecher für den Erwerb der 34-prozentigen Beteiligung verantwortlich. Doch erfolgte der Einstieg nicht zuletzt auf politischen Wunsch. Und es waren andere, die im Risikoausschuss der IKB kontrollierten. Doch unter dem Strich bleibt: Das Image von „Mr. Mittelstand“, dem „innovationshungrigen Modernisierer“ und Macher, das dem Finanzprofi noch 2006 bei seinem Rückzug als KfW-Chef zugeschrieben wurde, hat Kratzer bekommen.

An der Kompetenz des verheirateten Vaters einer Tochter gibt es freilich keine Zweifel. Reich hat das Bankgeschäft von der Pieke auf gelernt. 1957 macht er eine Lehre bei der Dresdner Bank, erwirbt später an der Bankakademie in Wiesbaden und Dortmund noch seinen Bankfachwirt. 1966 wechselt er zur KfW, die damals noch den angestaubten Namen Kreditanstalt für Wiederaufbau trägt. Dort steigt Reich auf: 1978 Abteilungsleiter, 1990 Vorstandsmitglied. Neun Jahre später wird er Sprecher des Vorstands. Und die Bank wird unter seiner Ägide zu einem der größten Player auf dem Europäischen Anleihe-Markt. Nebenbei integriert er die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) und macht sich für Finanzinnovationen stark. So ist es die KfW, die Verbriefungen in Deutschland in Mode bringt. Mit der 4,5 Mrd. Euro schweren Telekom-Wandelanleihe im Jahr 2003 erreicht er zudem Größenordnungen, die die Welt bis dato noch nicht gesehen hat.

Langes drumherum reden liegt ihm nicht, lieber kommt er gleich zum Punkt. Ein Kontrollfreak ist er aber nicht. Er könne auch Verantwortung an andere abgeben, sagen Mitarbeiter – so lange sie Ergebnisse liefern. Und zwischen all der Direktheit schimmert gelegentlich ein hintergründiger Humor hindurch. Trotz allem Erfolg bei der KfW ist Reich verglichen mit vielen seiner Branchenkollegen bodenständig geblieben. Partys und Empfänge sind seine Sache nicht. Lieber fährt er mit dem Mountainbike durch den Taunus, widmet sich seinem Garten in Kronberg vor den Toren Frankfurts. Oder investiert in sein drittes Hobby: Elektronische Geräte aller Art.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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