Ex-Klinikchef Lutz Helmig
Der scheue Retter von Heitkamp

Er zeigt sich nicht gern in der Öffentlichkeit, doch manchmal kommt Lutz Helmig einfach nicht daran vorbei. Als der Finanzinvestor mit Zulassung für den Chirurgenberuf bei der Fluglinie DBA einstieg, musste er sich fotografieren lassen. Am Montag wird er noch einmal vor ein großes Publikum treten.

HERNE. Leicht sei dem 60-Jährigen der Schritt vor die Kamera nicht gefallen, scherzte DBA-Aufsichtsratschef Hans Rudolf Wöhrl. „Aber ich habe ihm gesagt, dass er sich als Mitgesellschafter auch mit uns zeigen muss.“ Helmig, der frühere Mehrheitsgesellschafter der Helios-Kliniken, hatte sich im Februar mit 25,1 Prozent an DBA beteiligt. Für kommenden Montag nun hat Jochen Rölfs, Chef des Bau- und Bergbaukonzerns Heitkamp-Deilmann-Haniel (HDH), überraschend zu einer Pressekonferenz nach Herne eingeladen. Er möchte einen neuen Investor „persönlich“ vorstellen.

Was am Dienstag zunächst nur aus Branchenkreisen verlautete, machte das Bundeskartellamt am Mittwoch öffentlich: HDH und Helimgs Investmentgesellschaft Aton hätten die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens angemeldet. Bis zum 19. Juni will die Behörde signalisieren, wie sie dem Projekt gesonnen ist - ohne freilich bis dahin die Prüfung bereits abgeschlossen zu haben.

Mit dem frischem Geld von Helimg will HDH-Chef Rölfs offensichtlich die Bergbausparte Deilmann-Haniel vor der Insolvenz retten. Mit den Arbeitnehmern ist sich Rölfs über einen Haustarifvertrag einig. Er liegt deutlich unter dem Bergbautarif. Gespräche mit den Verbänden und der Gewerkschaft IG-BCE über die Kündigung des alten Tarifvertrags laufen noch.

Der defizitären Bergbausparte des Konzerns mit 1 600 Beschäftigten fehlen wichtige Aufträge der Deutschen Steinkohle (DSK). Außerdem muss sie gestundete Sozialversicherungsbeiträge bis Ende Mai an die Knappschaft zahlen, sonst droht die Insolvenz. Millionenschwere Pensionsverpflichtungen könnten außerdem den gesamten HDH-Konzern mit 6 000 Beschäftigten in den Strudel reißen. Die Bausparte alleine gilt inzwischen als saniert.

Helmig ist in Deutschlands Investment-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Aber wegen seiner zurückhaltenden Art blieb weitgehend unbemerkt, dass er seit Ende der achtziger Jahre mit Helios eine der größten privaten Krankenhausgruppen Deutschlands aufgebaut hat. Während das Konkurrenzunternehmen Rhön-Klinikum durch den Gang an die Börse bekannt wurde, blieb Helmig im Hintergrund und übernahm eine Klinik nach der anderen. Bis er das Unternehmen im vergangenen Jahr für 1,5 Milliarden Euro an den Fresenius-Konzern verkaufte, blieb es ohne Pressestelle.

Dass die Klinik-Gruppe nie in die Negativschlagzeilen geriet, hängt auch damit zusammen, dass Helmig sich mit Managern umgab, die – wie er selbst – lieber schnell denken und rasch handeln, als Zeit mit vielen Worten zu verlieren. Als er sich einige Jahre vor dem Verkauf in den Aufsichtsrat zurückzog, stattete er die Geschäftsführer mit Gesellschafteranteilen aus und ließ sie weitgehend selbstständig arbeiten. Die Stärke des Konzerns seien die kurzen Entscheidungswege unter Helmig gewesen, heißt es bei Helios. So konnte es vorkommen, dass der Mehrheitsgesellschafter unangekündigt in eine Besprechung rauschte, wenn er Diskussionsbedarf sah.

Heute ist seine Aton GmbH an vielen Unternehmen beteiligt. Neben der Medizintechnikfirma Ziehm Imaging, dem Softwarehaus GSD für Gesundheitsdienstleistungen und der Blutplasmafirma Haema zählen auch der Autozulieferer Edag sowie Minderheitsbeteiligungen an der DBA und einer rumänischen Mühlengesellschaft dazu.

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