Ex-Lehman-Chef Fuld
Der „Teufel“ spielt Unschuldslamm

Um Richard Fuld, Ex-Chef von Lehman Brothers, ist es still geworden. Der Mann, der in der Öffentlichkeit als Schurke, Bösewicht und Hauptverursacher der Krise gilt, sucht Erholung beim Wandern. Doch unter der Woche sieht man ihn munter in New Yorker Finanzkreisen. Über Lehman schweigt Fuld, und das aus gutem Grund.

NEW YORK. Erholung sucht der Mann, der in der breiten Öffentlichkeit als Schurke, Bösewicht und Hauptverursacher der Krise gilt, ausgerechnet bei Wanderungen rund um den 3 600 Meter hohen Gipfel "Bettgestell des Teufels" in den Bergen von Idaho. Kaum mehr als 3000 Einwohner zählt das Provinznest im Nordosten der USA, wo Richard "Dick" Fuld, letzter Chef der Investmentbank Lehman Brothers, seine freien Wochenenden verbringt.

Seit er sich im Oktober 2008 vor dem Kongress in Washington rechtfertigen musste, hält sich der 63-Jährige bedeckt. "Man sucht jemanden, den man Verantwortlich machen kann, und das bin ich", klagte er zwar zuletzt in einem Reuters-Interview. Ansonsten schweigt er. Kein böses Wort über Ex-Finanzminister Henry Paulson, der Lehman eine Auffanglösung verweigerte. Kein Nachtreten gegenüber Notenbank-Chef Ben Bernanke, der am entscheidenden Wochenende den Konkurrenten Merrill Lynch retten half, aber Lehman fallen ließ. Fuld, der wegen seiner aggressiven Art an der Wall Street "Gorilla" genannt wurde, hält still. Schließlich gibt es Dutzende Klagen von Kunden, Gläubigern und Mitarbeitern sind gegen ihn und seine Bank.

Ganz abgetaucht ist er allerdings nicht. Der Man, der die Lehman-Spitze 1994 übernahm und die Bank zur Nummer vier der Branche machte, arbeitet als Berater der Investmentfirma Matrix Advisors. Täglich pendelt er von seinem Haus in Greenwich im Norden New Yorks nach Manhattan, um dort Matrix-Kunden zu treffen. Mittags sieht man ihn oft in teuren Lokalen, wo er alte Kontakte trifft und scheinbar wieder einem alltäglichen Leben nachgeht. Offenbar hofft der Mann, den Ende 2008 die Magazintitel im Teufelskostum schmückte, auf eine Art Wiederauferstehung. "Am Ende werden die Guten siegen", gab er nach dem letzten Ausflug in die Berge von Idaho das Unschuldslamm.

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