Ex-LTU-Chef Stan Daugaard wechselt die Branche
Ein Däne im Anflug auf SGL Carbon

Es gibt Menschen, die befinden sich in beneidenswerten Situationen. Stan Daugaard zum Beispiel. Trotz der kriselnden Wirtschaft, munkelt die Touristikbranche, klingelten die Headhunter beim Ex-Chef der Touristikfluglinie LTU regelmäßig an, um ihm Jobangebote schmackhaft zu machen.

DÜSSELDORF. Nun ist auch bekannt, für welches er sich entschieden hat: Der 46-jährige Däne wechselte zu Jahresbeginn als Executive Vice President in die zweite Führungsebene des Wiesbadener Graphitelektrodenherstellers SGL Carbon. Ein Abstieg? Wohl nur kurzfristig. Der Vertrag von SGL-Finanzvorstand Bruno Toniolo, Jahrgang 1942, läuft im Herbst aus. Daugaard dürfte ihn beerben.

Kein leichter Job, den er sich da ausgesucht hat: Der Kurs des einstigen Börsenlieblings SGL stürzte in den vergangenen drei Jahren von 100 auf 14 Euro ab. Der Zulieferer vor allem für die Stahlindustrie schreibt seit Jahren rote Zahlen und ist hoch verschuldet. Eine außerordentliche Hauptversammlung an diesem Donnerstag soll ein umfangreiches Maßnahmenpaket absegnen. Der Vorstand will neue Aktien ausgeben, eine Anleihe begeben und einen syndizierten Kredit aufnehmen.

Doch harte Zeiten ist Daugaard gewöhnt. Für die Den Danske Bank arbeitete er nach dem Studium in den USA und wechselte dann als Vorstand zur Frankfurter Bodenkreditbank. 1992 übernahm er den Posten des Finanzdirektors im Vorstand des Elektronikunternehmens ITT.

Anschließend wechselte er zur Schweizer SAir-Group, bis zu ihrer Pleite Großaktionär bei LTU. Schlagartig musste sich der Zahlenmensch als Manager bewähren. Auf den Fluren der Zentrale sah man ihn oft mit demonstrativ aufgekrempelten Ärmeln und offenem Hemd. Er legte sich mit Betriebsräten an, mistete den Flugbetrieb rigoros aus und kniete sich in Details, um die marode Airline zu retten. Spitzname: „Eisenfresser“.

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