Ex-Lufthansa-Chef
Rückflug für Mayrhuber ausgeschlossen?

Ein Aufsichtsratsposten reicht Wolfgang Mayrhuber nicht. Neben seiner Arbeit bei Infineon will der Ex-Lufthansa-Chef auch bei seinem ehemaligen Arbeitgeber ins Kontrollgremium einziehen. Doch der Widerstand wächst.
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FrankfurtEs ist ein Wechselbad der Gefühle, das Wolfgang Mayrhuber durchlebt. Als Aufsichtsratschef bei Infineon löst der ehemalige Lufthansa-Chef seine Aufgabe so gut, dass viele Aktionäre ihn als Ideallösung loben. Dem 65-Jährigen selbst aber reicht das nicht, er will zu Beginn nächsten Jahres Aufsichtsratschef seines Ex-Arbeitgebers Lufthansa werden. Dort aber formiert sich der Widerstand gegen eine Rückkehr. „Intern wird heftig darüber diskutiert, ob Mayrhuber jetzt, wo kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, überhaupt noch wie geplant in das Kontrollgremium einziehen kann“, sagt ein Lufthansa-Manager.

Noch ist unklar, wie einflussreich die Mayrhuber-Kritiker sind, wenn die Aktionäre morgen zur Hauptversammlung in Köln zusammenkommen. Unstrittig ist aber, dass seit Mayrhubers Abschied Ende 2010 bei der Lufthansa einiges passiert ist. Immer deutlicher wird Management und Aktionären, dass viele von Mayrhubers Entscheidungen die Lufthansa im Nachhinein teuer zu stehen kommen. Nach Millionen-Verlusten im ersten Quartal will Mayrhubers Nachfolger Christoph Franz 1,5 Milliarden Euro sparen. Es sind viele Projekte seines Vorgängers, die Franz nun streicht.

Die Frage, die nun einige Lufthansa-Aufseher stellen: Ist es sinnvoll, Mayrhuber noch zum Aufsichtsratschef zu küren, wenn sich seine Strategie in Teilen als Fehler entpuppt hat?

In der Tat hat Mayrhuber während seiner Amtszeit von 2003 bis 2010 die Lufthansa teuer wachsen lassen. Da ist zum Beispiel die Lufthansa Italia, die Mayrhuber gründete, um Alitalia im Norden Italiens die Kunden abzujagen. Doch die Tochter produzierte nichts als Verluste und war das erste „Opfer“ von Franz. Auch das Fracht-Joint-Venture Jade Cargo in China floppte, wurde unter Franz abgestoßen. Die österreichische AUA, einer der umstrittensten Zukäufe von Mayrhuber, ist zwar noch im Konzern, doch das größte Sorgenkind.

Dabei lag Mayrhuber mit seiner Strategie der Zukäufe durchaus richtig. In den USA entstehen gewaltige Konkurrenten. Am Persischen Golf ist mit Emirates ein Kontrahent entstanden, der auf der Langstrecke mehr Passagiere befördert als Lufthansa. Größe ist also eine richtige Antwort. Allerdings nur, wenn ein so großer Konzern effizient geführt wird und klar ist, wozu Größe dienen soll.

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„Mayrhuber ist mein Wunschkandidat“

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