Ex-McDonald's Chef Denis Hennequin
Betten statt Buletten

Einst Herrscher über Fritten, nun über Hotelbetten: Der bisherige Europa-Chef von McDonald's führt künftig den Hotelriesen Accor. Auch dort setzt der Topmanager auf das Franchise-Prinzip – aber mit Erfolg? Bereits sein Vorgänger musste gehen weil er die Erwartungen nicht erfüllen konnte.
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PARIS. Am Ende halfen ihm auch die Familienbande nichts: Der Verwaltungsrat des Hotelriesen Accor stellte gestern überraschend Vorstandschef Gilles Pélisson den Stuhl vor die Tür. Begründung: „strategische Differenzen“ mit dem Neffen der Accor-Gründer. Weitere Erläuterungen: Fehlanzeige. Der Neue an der Spitze von Europas größtem Hotelkonzern (4 100 Hotels, 145 000 Mitarbeiter, rund sechs Mrd. Euro Umsatz) kennt sich weniger mit Hotels als mit Buletten aus: Denis Hennequin ist bis dato Chef von McDonald’s Europe. Der kahlköpfige Topmanager hat seine gesamte Karriere beim US-Fast-Food-Riesen absolviert und die Europa-Filiale zur Gewinnmaschine gemacht. Vor allem Hennequins Erfahrung im Bereich Franchise wollen offenbar die beiden Accor-Großaktionäre und Finanzinvestoren Eurazeo und Coloncy Capital nutzen.

Damit wiederholt sich bei Accor die Geschichte: Anfang 2006 setzten die Großaktionäre ebenso unerwartet den damaligen Chef Jean-Marc Espalioux ab. Er habe die Umwandlung Accors nicht entschlossen genug vorangetrieben, hieß es schon damals. Im Klartext: Eurazeo und Colony wollen, dass Accor sich auf den Betrieb von Hotels konzentriert und nicht länger die Immobilien besitzt; Letzteres kostet Geld und bindet Kapital.

Die Umwandlung Accors zu einer Art Hotel-Marken-Holding geht den Großaktionären anscheinend immer noch nicht schnell genug, das muss nun auch Pélisson erfahren. Analysten verteidigen den Geschassten: „Er hat die Asset-Light-Strategie gut umgesetzt“, wundern sich die Experten des Brokers Cheuvreux. Denn die überwiegende Mehrzahl von den 130 in diesem Jahr neu eröffneten Hotels will Accor über Vermietungs- oder Franchise-Lösungen betreiben.

Doch es half nichts. Hennequin ist also gewarnt. An ihm liegt es jetzt, die üppige Markenvielfalt des Konzerns (Accor, Pullman, Sofitel, Mercure, Novotel, Etap) zu reduzieren. Dem 52-Jährigen mangelt es dabei nicht an Selbstbewusstsein. Auf Geschäftsreisen nimmt der Bruce-Springsteen-Fan gerne seine E-Gitarre mit. Statt in der Limousine bewegt sich der Wirtschaftsprüfer lieber auf seiner Harley.

Nach dem Studium wusste Hennequin zunächst nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Als Anfang der 80er-Jahre McDonald’s in Frankreich wieder aufmachte, heuerte er kurzentschlossen an. All die Jahre Studium, „um Fritten zu machen“, lachte er einmal über sich selbst. Er steigt schnell die Leiter empor und wird mit 37 Jahren Chef von McDonald’s in Frankreich. Er lässt die Restaurants renovieren und ändert öfter die Menükarte – zum Schrecken der Gourmetpäpste macht er so Frankreich zum größten Markt Europas für McDonald’s.

Sein Erfolgsrezept beschrieb der Rockfan einmal so: „Ich folge zuerst meinem Instinkt, anschließend definiere ich eine Strategie.“ Accors Großaktionäre hoffen vor allem, dass Hennequin endlich Accors Aktienkurs abrocken lässt.

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