Ex-Notenbankchef berät Pimco
Greenspan orakelt wieder

Eine Legende soll ein Aushängeschild aufpolieren: Alan Greenspan, ehemaliger Chef der US-Notenbank, wird als Berater dem international größten Anleihehändler Pimco zur Seite stehen. Ausgerechnet Pimco-Chef Bill Gross wird dies aber eher ein Dorn im Auge sein.

NEW YORK. Die Allianz-Tochter Pimco hat den früheren US-Notenbankchef Alan Greenspan als Berater verpflichtet. Der Ex-Notenbanker soll dem weltgrößten Anleihehändler vor allem bei der Voraussage der künftigen Zinsentwicklung helfen. Das wurde von Pimco bestätigt. Die neue Partnerschaft ist pikant, trifft der als „Maestro“ unter den Zentralbankern titulierte Greenspan in seiner neuen Funktion auf Pimco-Chef Bill Gross. Der „Bond-König“ galt bislang als Kritiker des legendären Notenbankers. Andererseits hat Gross mit seinen Zinsprognosen zuletzt deutlich daneben gelegen. Der von ihm gemanagte Total Return Fund hinkt der Konkurrenz deshalb hinterher.

Greenspan soll alle drei Monate an Strategiesitzungen der Investmentstrategen von Pimco teilnehmen. Außerdem steht er den Anleihehändlern zwei Mal pro Woche in einer Telefonkonferenz zur Verfügung. Es ist der erste Beraterauftrag für den ehemaligen Chef der Federal Reserve, seit er die Notenbank Anfang 2006 verlassen hat. Über die Höhe seines Honorars wurden keine Angaben gemacht. Greenspan wird sein Wissen keinem Konkurrenten von Pimco andienen, darf aber weiterhin Reden halten.

Für den 81-jährigen Ex-Notenbanker bedeutet das Engagement bei Pimco die Rückkehr zu seinen beruflichen Wurzeln. Greenspan begann seine Karriere als Wirtschaftsberater und leitete vor seinem Wechsel zur Fed eine eigene Agentur unter dem Namen Townsend-Greenspan & Co in New York. Nach dem Abschied von der Notenbank arbeitete er zunächst an einem Buch, das unter dem Titel „The Age of Turbulence“ im September erscheinen soll. Zu Fragen der Geldpolitik äußerte er sich nicht. Das soll jetzt anders werden. „Nach mehr als einem Jahr ist es angemessen, privat über die Geldpolitik zu reden“, sagte Greenspan. Öffentlich will er sich jedoch weiterhin zurückhalten.

Für Pimco kommt die Verpflichtung von Greenspan zu einem heiklen Zeitpunkt. Bond-Guru Gross lag vor allem mit seiner Voraussage daneben, dass die Leitzinsen in den USA zügig sinken würden. Er selbst spricht von einem „großen Fehler“. Die Konsequenz: Sein Leitfonds liegt gemessen an der Rendite nur im unteren Viertel der Wettbewerber. In den zehn Jahren zuvor hatte Gross die Konkurrenz in fast 100 Prozent aller Fälle geschlagen. In der Branche wurde bereits über einen baldigen Rückzug des Bond-Königs spekuliert.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%