Ex-Polizeipsychologe Wolfgang Salewski soll die Traditionsbrauerei Paulaner auf Kurs bringen
Konfliktmanager für alle Fälle

Der Mann fällt kaum auf, als er an diesem Mittag ins Oktoberfest-Zelt „Winzerer Fähndl“ kommt. Die Kapelle spielt, die ersten lärmenden Gäste widmen sich schon dem bayerischen Bier. Freundlich, aber dezent grüßt Wolfgang Salewski nach rechts und links – nur ein leichtes Kopfnicken.

MÜNCHEN. Den 60-Jährigen, hoch gewachsen, schlank, schütteres blondes Haar, könnte man gut für einen Chefarzt halten. Aber der vornehme Herr im Trachtenjanker ist dienstlich hier, im Festzelt der Paulaner-Brauerei. Seit April führt Salewski die Geschäfte des Braukonzerns, einer Münchener Institution, und hat ein ambitioniertes Ziel: Bis Ende kommenden Jahres will er Paulaner auf hohen Gewinn trimmen – und das im gnadenlosen Wettbewerb.

Der Ausverkauf der deutschen Brauereien ist voll im Gange: Gerade ging die große Münchener Traditionsbrauerei Spaten-Franziskaner an die Interbrew-Gruppe aus Belgien. Und auch Paulaner galt lange als gefährdet. Vor zwei Jahren stieg der niederländische Bierriese Heineken mit 24,9 Prozent ein – und will seitdem weiter aufstocken. Doch Salewski erteilt ihm eine klare Absage: „Das ist überhaupt kein Thema.“

Sein neuer Job als Bierchef ist nur einer von vielen. Denn eigentlich ist der Badener die graue Eminenz im weit verzweigten Firmenimperium von Stefan Schörghuber, zu dem auch Paulaner gehört. Seit drei Jahren ist er der engste Vertraute des öffentlichkeitsscheuen Immobilien-, Hotel- und Bierkönigs.

Im Konzernvorstand ist er für Personal und Strategie zuständig. Zuletzt beaufsichtigte er im Auftrag Schörghubers die wichtigsten Konzerngesellschaften. Der gebürtige Ostpreuße „zieht die Fäden und ist bei allen wichtigen Gesprächen dabei“, berichten Kenner der Gruppe.

Der Vater zweier Kinder wirkt von jeher gerne im Hintergrund, nicht nur in der Bierbranche. „Mein Leben ist voller Zufälle gewesen“, bekennt der gelernte Maschinenschlosser und studierte Diplom-Psychologe. Er begann seine Karriere bei der Münchener Polizei.

Dann, 1977, kommt der Durchbruch. Damals ist er maßgeblich an der spektakulären Befreiung der von Terroristen gekaperten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in der somalischen Hauptstadt Mogadischu beteiligt. In den Jahren danach macht er sich einen Namen als Berater der Antiterror-Einheit GSG 9. In München vermarktet er die Erfahrungen in seiner Beratungsfirma für Krisenbewältigung, für die er noch heute hin und wieder arbeitet. Er ist gefragt bei Entführungen oder bei Sicherheitskonzepten. Zu den Kunden gehören Weltkonzerne wie Siemens, Allianz oder BMW.

Als er in einem oberbayerischen Hotel ein Kundenseminar veranstaltet, lernt er den jungen Stefan Schörghuber kennen, dem das Hotel gehört. Dessen Vater Josef hatte aus dem Nichts eines der größten Familienunternehmen Bayerns aufgebaut. Der Getränke- und Immobilienkonzern war aber nach hemmungsloser Expansion völlig verschachtelt. Es gab keine klaren Strukturen, aber Gerangel in der Familie.

Konfliktmanager Salewski greift dem jungen Schörghuber unter die Arme. Er ordnet den Konzern und fädelt im Hotelgeschäft eine Kooperation mit dem US-Konzern Sheraton ein. Die Gruppe sei auf Kurs, heißt es heute anerkennend bei Banken.

Nur im Biergeschäft sucht der Konzern lange nach einer Strategie. Die Übernahme von Deutschlands größtem Getränkekonzern Brau und Brunnen ist vor zwei Jahren gescheitert. Jetzt soll es Schörghubers Mann für alle Fälle richten, nachdem Vorgänger Axel Meermann wegen Erfolglosigkeit gehen musste. Dass Salewski dessen Part übernommen hat, ist für viele ein Beleg dafür, dass der Machtmensch Salewski Machtkämpfe zum eigenen Vorteil zu nutzen weiß.

„Der neue Job macht wirklich Spaß. So etwas können Sie mal eine Weile lang machen“, sagt der neue Paulaner-Chef lakonisch, während er ein weiteres Stück von seinem knusprig braunen Hendl abschneidet. Längst hat er sich eingearbeitet. Wie auf Knopfdruck spult er im Festzelt trotz lärmender Blasmusik die Zahlen herunter. Auf dem Oktoberfest muss er sich beinahe täglich sehen lassen. Und auch da ist er als Krisenmanager gefragt, etwa als am vergangenen Wochenende das Paulaner-Bier knapp wurde.

Salewski, auf einem Bauernhof groß geworden, ist ein Workaholic: Morgens um halb sieben beginnt der Arbeitstag, und er dauert bis mindestens halb zehn abends. Zwei Tage in der Woche sitzt er in der Schörghuber-Holding. Die übrige Zeit, auch samstags, ist der Professor, der an der Privatuni Witten-Herdecke über Konfliktmanagement doziert, in der Brauerei.

Bei Paulaner hat der neue Chef, der eigentlich lieber Wein trinkt, einen Traumstart erwischt: Der Jahrhundertsommer sorgte für ein dickes Absatzplus. Salewski schaut aber nicht nur auf Masse. „Bier ist Heimat“, sagt er und setzt auf regionale Marken. Er hält sich an einen Spruch seiner schwäbischen Großmutter: „Du musst beim Kleinen anfangen.“

Kein Hehl macht der Brauereichef aus seinem Ärger über Jürgen Trittin und das Dosenpfand. Auch Paulaner hat das in diesem Jahr Umsatz gekostet. Dem grünen Bundesumweltminister attestiert er „zwangsneurotisches Verhalten“. Als gelernter Psychologe wird Wolfgang Salewski wissen, wovon er spricht.

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