Ex-Post-Chef
Zumwinkel im Arcandor-Aufsichtsrat bestätigt

Der von Steuervorwürfen belastete ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel ist in Abwesenheit wieder in den Aufsichtsrat des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor gewählt worden – trotz heftiger Kritik. Aus fast allen anderen Unternehmensgremien war Zumwinkel nach dem Bekanntwerden der Steuer-Ermittlungen ausgeschieden.

HB DÜSSELDORF. 78,8 Prozent der vertretenen Stimmen hätten für Zumwinkel votiert, über den nach heftiger Kritik der Aktionäre einzeln abgestimmt wurde, sagte Arcandor-Aufsichtsratschef Hero Brahms am Mittwoch in Düsseldorf. Er warnte vor einer Vorverurteilung des unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehenden Zumwinkel. Dieser firmierte in der Einladung zur Hauptversammlung als Unternehmensberater. Auf der Hauptversammlung fehlte Zumwinkel. Er sei erkrankt, sagte Brahms. Alle anderen Aufsichtsräte erhielten Mehrheiten von mehr als 99 Prozent.

Die Entscheidung, Zumwinkel wieder zu nominieren, sei dem Aufsichtsrat nicht leicht gefallen, sagte Brahms. Aber er habe wertvolle Beiträge für die Fortentwicklung der Gesellschaft geleistet. Zudem gelte die Unschuldsvermutung, verteidigte Brahms die Entscheidung. Zumwinkel habe kein Schuldeingeständnis gegeben. „Wir wollen nicht in den gleichen Rhythmus verfallen, wie es in der Öffentlichkeit passiert ist“, sagte Brahms. „Wenn sich die Vorwürfe verdichten sollten, wird er der erste sein, der zurücktritt.“

Aktionärsvertreter kritisierten die Wiederwahl heftig. Der Vorschlag habe ihn vom „Stuhl gerissen“, sagte ein Aktionär. Zumwinkel sei aus moralischen und ethischen Gründen ungeeignet, ein anderer. „Wir sind im operativen Geschäft abhängig vom Image. Wir sollten uns das nicht versauen“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sobald es zu einer Anklage komme, müsse Zumwinkel aufgefordert werden, sein Mandat niederzulegen.

Aus fast allen anderen Unternehmensgremien war Zumwinkel nach dem Bekanntwerden der Steuer-Ermittlungen ausgeschieden. Unter massivem Druck der Politik hatte er sein Amt als Post-Chef aufgegeben und war als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank und der Deutschen Telekom zurückgetreten. Das Kontrollgremium der Deutschen Lufthansa und den Verwaltungsrat von Morgan Stanley verlässt er ebenfalls.

Auch die anderen Tagesordnungspunkte nickten die Aktionäre mit großen Mehrheiten ab: Unter anderem ermächtigten sie Arcandor zum Erwerb eigener Aktien. Diese können auch als Akquisitionswährung eingesetzt werden.

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