Ex-Postbank-Chef
Wolfgang Klein: Der taktierende Aussteiger

Vor knapp vier Monaten verließ Wolfgang Klein sein Unternehmen. Nun wurde bekannt, dass der damalige Postbank-Chef nach wie vor auf der Gehaltsliste von Deutschlands größter Filialbank steht. Die unterschiedlichen Lesarten der Personalie Klein.
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FRANKFURT. Im Mai konnte es nicht schnell genug gehen: Der damalige Postbank-Chef Wolfgang Klein kündigte überraschend seinen Rückzug an. Vier Wochen später, zum 30. Juni, verließ der Top-Banker das Haus - offiziell wegen "unterschiedlicher Auffassungen" über die Strategie. Jetzt stellt sich heraus, dass die Angelegenheit offenbar doch nicht ganz so eilig war - Klein steht nach wie vor auf dem Gehaltszettel von Deutschlands größter Filialbank.

Die Postbank bestätigte Informationen des Handelsblatts, wonach Kleins Auflösungsvertrag in einer Aufsichtsratssitzung Ende November abgesegnet werden soll. Dort werde planmäßig auch über das Vergütungssystem des Instituts debattiert. Bereits zum Ausscheiden habe man zudem erklärt, dass die Abfindung Kleins unterhalb des im Corporate-Governance-Kodes festgeschriebenen Maximalvolumens von zwei Jahresgehältern liege. Daran ändere sich nichts. Und: Klein stehe zwar noch auf der Gehaltsliste, was aber "letztlich unerheblich" sei - die Bezüge würden mit der Abfindung verrechnet.

Soweit die offizielle Lesart. Es gibt aber mindestens noch zwei weitere. So wird kolportiert, Klein und sein Ex-Arbeitgeber hätten durchaus Schwierigkeiten gehabt, sich auf das Abfindungspaket zu einigen. Ganz verwunderlich wäre es nicht: Immerhin soll Klein auch aus Unmut über die mittelfristig anstehende Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank das Handtuch geworfen haben.

Weitaus banaler, wenn auch keineswegs weniger überzeugend, ist der dritte Interpretationsversuch. So habe es die Postbank inmitten der Bankenkrise und vor der Bundestagswahl nicht riskieren wollen, eine millionenschwere Abfindung zu zahlen. Immerhin ist die Deutsche Post noch größter Aktionär des Instituts - und nach wie vor zu gut 30 Prozent in den Händen des Staates.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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