Ex-Rewe-Chef Berninghaus: Das große Geständnis

Ex-Rewe-Chef Berninghaus
Das große Geständnis

Mit fester Stimme verliest der Mann auf der Anklagebank die 60-seitige Erklärung, deren gedruckte Form er dem Richter trotz mehrfacher Nachfrage vorenthält. Von dubiosen Geldgebern ist darin die Rede, denen er sich nicht widersetzt habe, und von zerbrochenen Börsenplänen seines Ex-Arbeitgebers Rewe.

KÖLN. Nur ein einziges Mal während seines fast zweieinhalbstündigen Vortrags werden seine Worte brüchig: „Ich habe mit meinem Verhalten mein Leben zerstört“, sagt Ex-Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus leise, „und gleichzeitig die Zukunft meiner kleinen Familie.“

Rein äußerlich ist dem 40-jährigen ehemaligen Spitzenmanager mit der schulterlangen Fußballer-Matte kaum anzumerken, welche Strapazen er in den vergangenen anderthalb Jahren durchgemacht hat, wie Bürodurchsuchungen und Klinikaufenthalte. Sein schwarzer Anzug sitzt wie immer erstklassig, modische Manschettenknöpfe unterstreichen den sportlichen Auftritt ebenso wie der geöffnete obere Knopf des weißen Designerhemds.

Im vergangenen Sommer noch hatte die Öffentlichkeit vergeblich auf eine Erklärung des Jungmanagers gewartet, der seinem Kölner Arbeitgeber Rewe im Frühjahr 2000 die offenbar wertlose Internetfirma Nexum andrehte und dafür heimlich von den Verkäufern 6,5 Millionen Euro „Provision“ einstrich. Rewe konnte vor dem Landgericht zwar elf Millionen Euro Schadensersatz erstreiten, Berninghaus blieb der Verhandlung aber fern – aus „gesundheitlichen Gründen“, wie es damals hieß.

Am Mittwoch aber brach der smarte Rheinländer erstmals sein Schweigen. „Ich habe die mir angelasteten Zahlungen erhalten“, zeigte sich Berninghaus im Saal 112 des Kölner Landgerichts geständig. Dies sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, dessen Konsequenzen er voll übernehmen wolle. „Ich habe das in mich gesetzte Vertrauen enttäuscht“, sagte er, „dafür entschuldige ich mich vor allem bei meinen Mitarbeitern.“

Er selbst stellte sich am Mittwoch als Opfer des Schweizer Rechtsanwalts Aurelio Ferrari dar. Doch die Geschichte ist verworren: Als Partner einer Züricher Kanzlei hatte Ferrari im April 1999 über die Schweizer Parabola AG die Mehrheit von 51 Prozent an dem Hürther Internetdienstleister Nexum erworben, den diese nach nicht einmal einem Jahr weiterreichen wollte – Gewinn bringend.

Da kam den Schweizern Berninghaus offenbar wie gerufen. Der Studienfreund von Nexum-Gründer Jürgen Boden war zwischen Dezember 1998 und Juli 1999 Aufsichtsrat des Internetdienstleisters gewesen und hatte im September 1999 in der Geschäftsleitung der Kölner Rewe angefangen. Und dort machte sich Konzernlenker Hans Reischl schon seit geraumer Zeit Sorgen, den Anschluss an das Internetzeitalter zu verpassen. „Weltkonzerne wie Wal-Mart, Home Depot, Carrefour oder Tesco investierten zu dieser Zeit hohe Beträge ins Onlinegeschäft“, führte Berninghaus am Mittwoch aus, „da wollte Rewe nicht abseits stehen“.

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