Ex-Rewe-Chef
Berninghaus’ rätselhafte Rolle beim Nexum-Deal

Vor dem heutigen dritten Verhandlungstag gegen Ex-Rewe-Chef Dieter Berninghaus mehren sich die Zweifel an seiner Darstellung.

HB DÜSSELDORF. Zuletzt hatte der Angeklagte vor dem Kölner Landgericht behauptet, er sei beim Verkauf der Internetfirma Nexum an Rewe lediglich als fairer Makler aufgetreten. Tatsächlich aber zählt er selbst zu den Hauptprofiteuren des Deals. Nach Informationen, die dem Handelsblatt vorliegen, fiel der Gewinn des Verkäufers Parabola mit 8,32 Millionen Euro kaum höher aus als die „Provisionszahlung“ an den ehemaligen Rewe-Vorstandssprecher. Berninghaus hatte im Mai 2000 für seinen Arbeitgeber Rewe den Kauf der Hürther Internetfirma eingefädelt. Für seine Dienste strich er anschließend über den Schweizer Parabola-Treuhänder Aurelio Ferrari nach eigenen Angaben 6,5 Millionen Euro ein.

Üblicherweise werden bei einem Deal dieser Größenordnung Provisionen gezahlt von 350 000 bis 500 000 Euro. Das ist nicht einmal ein Zehntel dessen, was Berninghaus für seine Vermittlung kassierte. „Das Verhältnis zwischen dem Kaufpreis von 24,7 Millionen Euro und der Provision ist absolut ungewöhnlich“, urteilt ein Frankfurter Analyst. Noch eklatanter erscheint das Missverhältnis zwischen Verkaufsgewinn und „Provisionen“, wenn man Parabolas Zahlungen an zwei weitere am Verkaufsprozess beteiligte „Vermittler“ hinzurechnet. Der ehemalige Metro-Topmanager Ralf Bender erhielt für ein offenbar geschöntes Nexum-Gutachten 5,7 Millionen Euro, wie die Kölner Staatsanwaltschaft berichtet. Bei Nexum-Altgesellschafter Jürgen Boden, der als Studienfreund den Kontakt zu Berninghaus herstellte, bedankte sich Ferrari laut Staatsanwalt Norbert Reifferscheidt mit 3,1 Millionen Euro. Damit summieren sich die Zuwendungen auf stattliche 15,3 Millionen Euro.

Von den 24,7 Millionen Euro der Rewe für Nexum blieben deshalb am Ende nur 9,4 Millionen Euro bei Parabola hängen. Und selbst diese Summe wird noch geschmälert durch Parabolas eigenen Kaufpreis für Nexum. Laut Staatsanwaltschaft zahlten die Schweizer für den 75-prozentigen Geschäftsanteil, den sie an Rewe weiterreichten, insgesamt 1,08 Millionen Euro.

Wer sich hinter der Parabola verbirgt, die sich beim Nexum-Verkauf mit nur einem Drittel der Kaufpreissumme begnügte und den Rest an die „Vermittler“ weiterreichte, ist bis heute ungeklärt. Die Namen seien ihm nicht bekannt, sagte Berninghaus vor Gericht. Gegenüber dem Handelsblatt wies Verteidiger Rainer Brüssow Spekulationen zurück, sein Mandant sei selbst Parabola-Aktionär gewesen.

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