Ex-Seglerin Ellen MacArthur
„Wir haben nur diesen einen Planeten“

So schnell wie Ellen MacArthur umsegelte kein anderer Mensch die Welt. Nun kämpft die Britin für eine Revolution der Wirtschaft – die „Circular Economy“. Die ersten Konzerne hat sie überzeugt, dass dies profitabel ist.

Ellen MacArthur ist eine Kämpferin. Drei Jahre lang hielt die Britin den Weltrekord im Einhandsegeln. Heute will die 40-Jährige die Welt verbessern. Der Ellen MacArthur Cancer Trust hilft jungen Krebskranken. Die Ellen MacArthur Foundation hat sich nicht weniger als den kompletten Systemwandel unserer Wirtschaft zum Ziel gesetzt: die Kreislaufwirtschaft. Unermüdlich reist die Britin um die Welt, um Konzernbosse und Politiker von ihrer Mission zu überzeugen. MacArthur lebt mit ihrer Familie auf einem Bauernhof auf der Isle of Wight. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erzählt sie, wie sich eine naturfreundliche Wirtschaft rechnet.

Dame MacArthur, im Alter von 28 Jahren haben Sie erstmals die Welt umsegelt – ganz alleine. Auf Ihren beiden Weltrekordfahrten 2000 und 2005 waren Sie gänzlich den Naturgewalten ausgesetzt. Inwieweit haben diese Erfahrungen Ihren Blick auf unseren Planeten verändert?
Segeln war damals mein Leben. Als ich für drei Monate alleine die Welt umsegelte, war ich auf die wenigen materiellen Dinge reduziert, die Platz hatten auf meinem kleinen Boot. Mitten auf dem Ozean konnte ich nicht einfach anhalten, um Treibstoff oder Essen zu kaufen. Manchmal war ich 2500 Meilen entfernt von der nächsten Stadt. Alles was ich brauchte zum Leben, passte auf mein Boot. Auf dem Meer war es ganz normal für mich, mit meinen Ressourcen zu haushalten.

Und wie war es wieder zurück an Land?
Als ich nach meiner Weltumseglung 2005 wieder den Fuß an Land setzte, hat sich meine Sicht auf die Erde komplett verändert. Mir wurde bewusst: Auch unser Planet hat wie mein Boot nur begrenzte Ressourcen: Erdöl, Metalle, seltene Erden - unsere globalisierte Wirtschaft nutzt die Rohstoffe alles andere als sorgsam.

Was passiert, wenn die Menschheit so weitermacht?
So kann es nicht mehr lange weitergehen. Wir haben nur diesen einen Planeten. Die Menschen gehen extrem verschwenderisch mit wertvollen Rohstoffen um, die endlich sind. Der Fehler im System ist folgender: Die globale Wirtschaft ist linear ausgerichtet, nicht wie die Natur als Material-Kreislauf, der sich ständig erneuert.

Aber Recycling ist doch nicht neu. Viele Dinge werden heute schon wiederverwertet…
Wir recyceln nur einen verschwindend geringen Teil aller Produkte. Das Hauptproblem ist, dass die meisten Produkte gar nicht fürs Recyceln konzipiert sind. Die Produkte sind nicht so designt, dass wir das Maximum an Material nach dem Gebrauch wieder aus ihnen herausholen können. 58 Milliarden Dollar gehen der Weltwirtschaft im Jahr verloren allein durch Textilien, die nicht recycelt werden.

Wie lässt sich das ändern?
Wenn man die Wirtschaft als ewigen Kreislauf betrachtet, muss alles von vornherein ganz anders konzipiert sein. Alle Produkte sollten nach möglichst langem Gebrauch wieder problemlos zerlegt und wiederverwertet werden können.

Die meisten Produkte aber enthalten heute giftige Zusatzstoffe. Wenn die in den Recycling-Kreislauf geraten, kommen immer mehr Schadstoffe in die wiederverwerteten Produkte.
Das stimmt. In Kleidung und auch Spielzeug sind so viele giftige, aber völlig unnötige Substanzen. Es geht auch ohne diese Gifte. Aber dafür müssen wir einen kompletten Neustart machen bei der Produktion.

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