Ex-Tesco-Manager Wild soll ab sofort das schleppende Geschäft voranbringen
Wal-Mart wechselt Deutschlandchef

Der US-Handelsriese Wal-Mart tauscht – wieder einmal – seine Deutschlandspitze aus. Ab sofort übernimmt der bisherige Einkaufschef David Wild, 50, die Führung in der Wuppertaler Zentrale. Der Brite ersetzt Kay Hafner.

DÜSSELDORF. Hafner, 48, war vor vier Jahren vom Kiosk-Lieferanten Lekkerland zu Wal-Marts Deutschlandzentrale gewechselt. Hafner habe sein Amt „auf eigenen Wunsch“ niederlegt, hieß es am Donnerstag in einer Pressemeldung.

Mit seinem Abgang hatten Branchenbeobachter seit langem gerechnet. Schon vor drei Jahren gab es erste Gerüchte, der fast zwei Meter große Ex-Melitta-Manager, dem stets ein Mitarbeiterausweis des weltweit größten Handelskonzerns um den Hals baumelte, müsse seinen Sessel räumen. Hafner blieb, doch auf den versprochenen Turnaround in Deutschland wartete Wal-Mart vergeblich.

Stattdessen lieferte Hafner rückläufige Umsatzzahlen an die Konzernzentrale in Bentonville/Arkansas ab. Im zweiten Quartal 2005 habe Wal-Mart Germany das Umsatzziel verfehlt, brach Konzernfinanzchef Jay Fitzsimmons vergangenen Monat erstmals das eiserne Schweigen über die aktuellen Geschäftszahlen hier zu Lande. Als erschreckend hoch erwiesen sich zudem die Verluste, die Wal-Mart zwischen Schwerin und Freiburg einfuhr. 2001 fehlten bei einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro unterm Strich 674 Millionen Euro in der Kasse. Für 2002 wies Wal-Mart Germany einen Verlust von 184 Millionen Euro aus. Seither hätten sich die Ertragszahlen verbessert, beteuerte Hafner noch vor wenigen Monaten, sogar ein positiver Cash-Flow sei 2004 erzielt worden. Zahlen blieb er schuldig.

Nun soll es in Wuppertal der langjährige Tesco-Topmanager Wild richten. Seit Wal-Marts Deutschlandstart Ende 1997 ist er bereits die Nummer fünf auf dem Chefsessel. Zuvor hatten außerdem der Amerikaner Ron Tiarks, der Brite Allan Leighton und der ehemalige Interspar-Chef Volker Barth vergeblich versucht, das schwierige Geschäft auf Vordermann zu bringen. Einen Nachfolger für Hafner zu finden fiel Wal-Mart nach Einschätzungen von Headhuntern denn auch alles andere als leicht.

Erschwerend kam bei der Personalsuche hinzu, dass die Konzernzentrale in der US-Provinzstadt Bentonville ihren Deutschlandableger an der kurzen Leine führt. Entscheidungen von dort sind bedingungslos umzusetzen. Manche von ihnen scheinen aus deutscher Sicht zudem skurril. Zuletzt musste Hafner auf Anweisung der Zentrale sogar einen Verhaltenskodex in der Belegschaft durchdrücken, der Liebesbeziehungen unter Kollegen verbot und zu Spitzeldiensten aufrief. Das Wuppertaler Amtsgericht machte dem Treiben schließlich ein Ende.

Doch Wild weiß, worauf er sich einlässt. Seit Mai 2004 arbeitet er in der Wuppertaler Geschäftsführung. Beim Amtsantritt des Oxford-Absolventen allerdings fielen die Kommentare der Experten skeptisch aus. Er kenne den deutschen Markt nicht, monierten Brancheninsider. Als eigentlicher Leistungs- und Hoffnungsträger in der Geschäftsführung galt bei vielen stattdessen Finanzchef Mark Rahman.

Bis heute hat sich nicht einmal Gesamtbetriebsratschefin Elke Richards ein Bild von ihrem neuen Chef machen können. „Er muss seine Strategie erst noch festlegen“, sagte sie gestern. Wilds Berufung überrascht offenbar auch die Arbeitnehmer.

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