Ex-UBS-Banker Esteves
Zurück im Spiel

Brasiliens reichster Banker ist zurück. Andre Esteves, ehemaliger Chef des UBS-Anleihegeschäfts, macht sich in São Paulo selbstständig und will wieder zurück in die Finanzelite. Schon seine bisherige Karriere ist eine Gratwanderung zwischen Genie und Größenwahn.

SÃO PAOLO. Die neue Adresse passt perfekt: Rua Amaury, 275, eine kleine Nebenstraße im Herzen der Investmentbanken-Meile von São Paulo. Dort, wo sich zur Mittagspause Brasiliens Finanz- und Wirtschaftselite in einem Dutzend eleganten Restaurants zum Lunch trifft. Weniger Trubel herrscht dort als noch vor zwei Monaten. Denn mit fast einem Jahr Verzögerung hat die Krise inzwischen auch Brasilien erfasst. Doch das hat den brasilianischen Banker Andre Esteves nach einem einjährigen Ausflug an die Spitze des globalen Anleihegeschäfts der Schweizer UBS nicht davon abgehalten, einen Neustart hinzulegen. Seinen Fonds hat er schlicht „Banking and Trading Group“ genannt. Abgekürzt: BTG – was für „Back to the game“ stehen soll. Also etwa: Ich bin wieder dabei!

Denn Andre Esteves, 39 Jahre junger Starbanker Brasiliens, war tatsächlich rund zwei Jahre nicht mehr dabei – weil er in London für die UBS als Chef des globalen Anleihegeschäfts die Kohlen aus dem Feuer holen sollte, die seine Vorgänger reingelegt hatten. An den Job war er gekommen, nachdem er vor zwei Jahren als wichtigster Teilhaber der Investmentbank Pactual beim Verkauf an die Schweizer UBS eine der rund drei Milliarden Dollar eingestrichen hatte. Dadurch wurde er nicht nur auf einen Schlag einer der reichsten Banker Brasiliens – sondern vermutlich auch der einzige Milliardär im Sold der UBS. Denn er führte nach dem Verkauf der Pactual zuerst das Brasilien- und Lateinamerikageschäft der neuen UBS-Pactual, bis er nach London gerufen wurde, um das Bondgeschäft aufzuräumen.

Aufmerksam wurde man in Zürich auf Esteves, weil der seit der Pactual-Übernahme auch im Group Managing-Board von UBS saß und den Ablauf der Übernahme in Brasilien als „zu langsam, zu starr, zu bürokratisch“ kritisierte. Dieses immense Selbstbewusstsein traut man ihm auf den ersten Blick nicht recht zu. Denn mit seinem tief liegenden Haaransatz, der randlosen Brille und dem gepflegten Äußern sieht er aus wie einer der vielen Jungbanker São Paulos.

In der Rückschau wird klar, dass der Job in London eigentlich nichts für ihn war. Denn dabei kamen zwei zusammen, die eigentlich nicht zueinander passten. Denn wenn Esteves für UBS-Maßstäbe eine atemberaubende Blitzkarriere hingelegt hat, dann machte der Brasilianer nie einen Hehl daraus, dass der Posten des Global Head Fixed Income bei UBS für ihn allenfalls ein Zwischenstopp für höhere Weihen sein sollte. Ehrgeiz oder Größenwahn? In São Paulo tendiert man derzeit eher zur zweiten Charaktereigenschaft. Denn – so heißt es in São Paulos Finanzkreisen und den Wirtschaftsmedien, obwohl die UBS das abstreitet und Esteves sich nicht dazu äußert – Esteves soll zeitweise versucht haben, eine Kontrollmehrheit in der UBS zu übernehmen. Gemeinsam mit anderen Investoren soll er rund zehn Mrd. Dollar geboten haben gegen zehn Prozent Stammkapital bei der UBS – so schreibt die seriöse Wirtschaftszeitschrift Exame. Doch in der Schweiz sei das Ansinnen genauso abgelehnt worden wie der Vorschlag von Esteves, seine Investmentbank für einen Aufschlag von zwei Milliarden Dollar zurückzukaufen.

Doch auch in Brasilien ist Esteves Ruf nicht mehr der beste: Seine ehemaligen brasilianischen Partner sollen es ihm übel nehmen, dass er bei den Verhandlungen mit der UBS vor allem sein Eigeninteresse verfolgt hat. Letzte Woche ist Gilberto Sayão, sein ebenbürtiger Partner aus Pactual als Chairman zur UBS Pactual zurück gekehrt. Für die Schweizer ist das ein wichtiger Erfolg: Denn Esteves hat neben dem kompletten Lehmann-Brothers Personal in Brasilien noch zehn hochrangige UBS-Mitarbeiter als Partner mitgenommen. Kunden könnten zögern, ob sie ihre Aufträge an die UBS-Tochter vergeben, wenn die besten Mitarbeiter bei Esteves versammelt sind. Entsprechend schlecht soll die Stimmung sein zwischen Esteves und seinem ehemaligen Arbeitgeber. Dennoch soll auch die UBS an Esteves BTG beteiligt sein. Es scheint, dass auch die Schweizer wieder beim Spiel dabei sein wollen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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