Ex-UBS-Deutschlandchef Dreesen
Comeback des ehemaligen UBS-Deutschlandchefs

Jan-Christian Dreesen ist von der flinken Sorte: Gerade einmal 14 Tage hat es gedauert, bis der Spitzenbanker nach seinem Weggang als Deutschlandchef der UBS seinen neuen Posten bekannt geben konnte. Vom September an übernimmt er im Vorstand der angeschlagenen BayernLB das Ressort Mittelstand und Privatkunden.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Damit holt Bankchef Michael Kemmer einen weiteren Mann an seine Seite, der auch schon mal bei der HVB gearbeitet hat. Bereits an Bord ist das ehemalige HVB-Vorstandsmitglied Stefan Ermisch, der künftig neben der Leitung der Finanzen und des operativen Geschäfts auch noch die Rolle des BayernLB-Vizechefs übernimmt. Demnächst könnte sogar noch ein weiterer HVBler an Bord stoßen: In Branchenkreisen wird spekuliert, dass der bei der Unicredit-Tochter scheidende Chef-Risikomanager Henning Giesecke ebenfalls zur BayernLB kommt. Unterschrieben sei aber noch nichts, heißt es.

Dreesen übernimmt seinen Posten von Theo Harnischmacher, der in den Ruhestand gewechselt ist. Noch vor seiner Ankunft kann sich der 41-Jährige über Vorschusslorbeeren freuen. „Mit Jan-Christian Dreesen haben wir einen ausgewiesenen Marktexperten gewonnen“, frohlockte Verwaltungsratschef Georg Fahrenschon, seines Zeichens auch Finanzminister Bayerns.

In der Branche sorgt die Berufung hingegen für Überraschung. Dreesen wird zwar als „kompetent und intelligent“ beschrieben. Aber seine zentrale Expertise liegt im Bereich vermögender Privatkunden – das Segment für das er auch bei der UBS zuständig war. Nur: Privatkunden sind nicht die Domäne der BayernLB und als Mittelstandsexperte wiederum gilt Dreesen nicht. Sei's drum – nicht wenige trauen ihm zu, die neue Aufgabe zu meistern. Angeblich soll der Banker noch andere Angebote gehabt haben. Doch er entschied sich für die krisengeschüttelte Landesbank, weil er dort ein großes Aufholpotenzial sieht. Für Dreesen steht damit offenbar fest, dass die Münchner einer der Gewinner im Falle einer Landesbankenkonsolidierung sein werden.

Privat ist der neue Job für Dreesen auf alle Fälle ein Gewinn. Denn der Banker ist dem Freistaat immer verbunden geblieben. Selbst in der Zeit seines gut dreijährigen UBS-Intermezzos blieb der Lebensmittelpunkt des Norddeutschen der Starnberger See bei München. Dreesen pendelte zwischen Frankfurt und der bayerischen Landeshauptstadt, hatte dort ein Büro. Jetzt also kehrt er wieder ganz „nach Hause“ zurück.

Vor seinem Job bei UBS war der Mann mit dem entwaffnenden lLächel Privatkundenvorstand bei der Münchener Hypo-Vereinsbank. Dort suchte er allerdings das Weite, als sich Anfang 2006 der Einfluss von Unicredit bei den Münchenern immer deutlicher bemerkbar machte. Im Zuge der Übernahme verließen damals binnen kürzerster Zeit einige Top-Manager das Haus, darunter auch Stefan Jentzsch, der damals zur Dresdner Bank wechselte und die Investmentbank Dresdner Kleinwort führte.

Dreesen gilt als freier Geist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und im Zweifelsfall persönliche Konsequenzen zieht. Dies soll letztendlich auch zu seinem Weggang bei der UBS geführt haben, wo dem Manager schon seit längerem die Querschüsse aus Zürich ein Dorn im Auge waren. BayernLB-Chef Kemmer kann sich demnächst also intern auf die ein oder andere kontroverse Diskussion einstellen.

Jan-Christian Dressen:

1967: Geboren in Aurich in Ostfriesland.

1990: Nach einer Banklehre in seinem Heimatort studiert er Betriebswirtschaftslehre in Osnabrück.

1995: Dreesen beginnt ein Traineeprogramm bei der Bayerischen Vereinsbank in Ludwigshafen/Mannheim.

2005: Dreesen steigt im Zuge der Fusion der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank zur Hypo-Vereinsbank (HVB) zum Geschäftsbereichsleiter auf.

2006: Mit 38 Jahren wird er zum Privatkundenvorstand der HVB befördert.

2006: Dreesen wechselt als Vorstandsmitglied und Leiter des Wealth Managements zur UBS Deutschland.

2009: Der 41-Jährige zieht in den Vorstand der BayernLB ein.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Robert Landgraf
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Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Hans G. Nagl
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