Existenzgründung
Die Schattenseiten des Franchising

Mit vollmundigen Versprechen locken Franchise-Verband und-Unternehmen angehende Existenzgründer in die Selbstständigkeit. Doch das Risiko des Scheiterns ist größer als sie zugeben.

Moderner Kannibalismus geht heute so: Gert Odenius verkauft ein Jahr lang erfolgreich Handys und Mobilfunkverträge der Marke O2 in der Viersener Innenstadt. Den Shop betreibt er als selbstständiger Franchisenehmer, investierte 20 000 Euro in den Laden. Dann eröffnet nur rund 300 Meter weiter ein anderer O2-Vertragshändler. Odenius' Umsatz bricht um 30 Prozent ein. Die Konkurrenz aus dem eigenen Haus "war so nicht abgesprochen", ärgert er sich. Aber ändern kann er nichts.

Bedroht von der eigenen Kette? Das Schicksal teilt Odenius mit vielen anderen Franchisenehmern. Unzufriedene Partner finden sich weitaus häufiger in Systemketten als die Zentralen zugeben: Falsche Standorte, nachteilige Vertragsklauseln und mangelnde Betreuung sind die Ergebnisse einer meist aggressiven Expansionsstrategie. Wer schnell wächst, vernachlässigt den Auswahlprozess der Franchisenehmer - das geht zulasten beider Parteien und das Image der Kette leidet. Aber noch öfter steht dabei die Existenz der Gründer auf dem Spiel.

Die Idee des Franchise ist eigentlich genial. Der Existenzgründer übernimmt ein fertiges Geschäftskonzept, das bereits erfolgreich im Markt verankert ist. Als Kleinunternehmer vor Ort verantwortet er den reibungslosen Ablauf und zahlt monatliche Gebühren an die Zentrale. Die übernimmt im Gegenzug Marketing, Buchhaltung und optimiert die Produktionsprozesse. "Im Idealfall also eine Win-Win-Beziehung", sagt der auf Franchise spezialisierte Unternehmensberater Felix Peckert aus Bonn.

Die Franchisebranche boomt - vor allem in der Gastronomie, im Handel und bei Dienstleistungen. Seit Jahrzehnten wächst die Anzahl der Systeme in Deutschland - derzeit sind es 870. Starke Marken wie McDonald's, Obi und die Tierfuttermärkte Fressnapf gehören hierzulande zu den Pionieren. Dazu kommen Newcomer wie der Discountbäcker BackWerk, der Frühstückslieferant Morgengold und die Service Stores der Deutschen Bahn, in der Kioskwaren und Tickets verkauft werden.

Gelockt von der scheinbar sichersten Form der Existenzgründung stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Franchise- nehmer auf ein Rekordhoch: Knapp 50 000 waren es Ende 2005 - Tendenz steigend.

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