Exklusiv-Studie
Chatten mit den Kleinanlegern

Die Hauptversammlung verpasst? Als kleiner Privatanleger mal in die Analystenkonferenz reinhorchen? Bei der Deutschen Post und vielen Dax-Unternehmen kein Problem. Alles lässt sich jederzeit von jedermann als Video von der Investoren-Webseite herunterladen – als wäre man selbst dabei.

Wenn Unternehmen aus Deutschland über das Internet Anleger informieren, geschieht dies längst nicht mehr so ungeschickt wie noch vor wenigen Jahren. Die Qualität der Firmen-Webseiten für Investor Relations (IR) ist gewaltig gestiegen. Mehr noch: „Die Internetauftritte der Dax-Unternehmen gehören mittlerweile zu den besten der Welt“, konstatiert Thorsten Greiten, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungshauses Netfederation in Köln. Das geht aus der Benchmark-Analyse 2006 hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Die Spezialisten für Finanzkommunikation nahmen für ihre inzwischen fünfte Untersuchung die Onlineauftritte der Investor-Relations-Abteilungen (IR) aller 110 im Dax, MDax und SDax gelisteten Unternehmen unter die Lupe. Wie gut funktioniert die Technik? Wie transparent gibt sich das Unternehmen? Wie einfach findet ein Anleger Informationen? Insgesamt vergab Netfederation Punkte für 220 Kriterien in den Kategorien Story, Service, Technologie und Design.

An der Spitze des Rankings hat die Deutsche Post den Bayer-Konzern abgelöst. Die Bonner verfolgen bereits seit einigen Jahren die Strategie, wegen der vielen Kleinanleger das Internet als kostengünstigen und effizienten Kommunikationskanal zur Anlegergemeinschaft auszubauen. Besonders die klare Equity Story, die Darstellung der Chancen und Risiken, begeisterte die Tester. Als eines der wenigen Unternehmen informiert die Post außerdem offen über die gesetzlichen Mandate ihrer Aufsichtsratsmitglieder. Neben dieser Transparenz sorgten auch umfangreiche Vergleichsmöglichkeiten der Aktienentwicklung zu anderen Papieren und Indizes für Bestnoten.

Zudem nutzen die Bonner virtuos neue Internettechnologien wie die so genannten RSS-Feeds. Mit ihnen werden die neuesten Finanznachrichten automatisch und blitzschnell auf die Computer interessierter Anleger geladen. Neben der Deutschen Bank bietet die Deutsche Post auch so genannte Investorenchats, die bei Börsenprofis sehr beliebt sind.

Für weitere positive Überraschungen unter den ersten 20 sorgten Siemens und die Deutsche Lufthansa. Beide Firmen haben ihre Webseiten im letzten Jahr komplett überarbeitet. Die Kranichlinie machte deshalb neun, Siemens acht Plätze im Ranking gut. Auch TecDax-Unternehmen wie Epcos oder die Software AG überraschten ausgesprochen positiv.

Die insgesamt guten Ergebnisse zeigen, dass sich das Internet auch in der Wahrnehmung vieler IR-Profis zur zentralen Plattform der Unternehmenskommunikation entwickelt. Rüdiger von Rosen, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt, hält das für eine sinnvolle Entwicklung. „Faktisch dürfte heute das Gros der Aktionäre über einen Internetanschluss verfügen. Die Pflege einer IR-Website ist daher ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Investorenpflege.“

Online veröffentlichte Finanzinformationen, die Videoübertragung der Hauptversammlung oder spezialisierte Suchmaschinen sind in vielen Firmen heute fest etablierte Instrumente, um Anleger schneller und günstiger als etwa per Post zu informieren. „Die Website ist längst strategischer Bestandteil unserer Kommunikation mit den Finanzmärkten“, betont Andrea Wentscher, die als Junior IR-Managerin im BASF-Team für den Onlineauftritt verantwortlich ist.

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