Exklusiv-Studie
Es muss nicht immer Jobabbau sein

Wer jetzt qualifizierte Mitarbeiter entlässt, dem fehlen sie nach der Krise. Das wissen auch Deutschlands Unternehmer und setzen auf flexible Lösungen, statt auf Jobabbau. Eine Exklusiv-Studie zeigt: Durch Arbeitszeitverkürzungen, unbezahlten Urlaub und Gehaltskürzungen versuchen die Unternehmen alle Mitarbeiter an Bord zu behalten.

DÜSSELDORF. In wirtschaftlich harten Zeiten flüchten sich Manager gern in eine bildhafte Sprache. Doch die Metaphern wollen wohl gewählt sein, denn die Belegschaft reagiert darauf höchst sensibel. Das merkte auch Bernd Buchholz, heute Vorstandschef des Verlagshauses Gruner + Jahr. „Wenn Sie als Kapitän auf der Brücke stehen und eine Riesenwelle aufs Schiff zukommen sehen, dann müssen Sie den Leuten auf dem Sonnendeck sagen, dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen müssen“, sagte er im November auf einer Verbandstagung, damals als Zeitschriften-Vorstand. Der Wortwitz kam bei seiner Mannschaft nicht so gut an, hieß es. Zumal einige von Bord mussten.

Analogien zur Seefahrt zieht auch Wolfgang Malchow, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor von Bosch. Allerdings klingt dies aus dem Munde des „fairsten Arbeitgebers Deutschlands“ – nach einer aktuelle Umfrage des Deutschen Führungskräfteverbands – ganz anders: „Wir sitzen in diesen stürmischen Zeiten alle in einem Boot. Wir tun alles, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten.“

„Solange Arbeitgeber solidarisch und fair mit der Belegschaft umgehen, ist die Akzeptanz für freiwillige Einschnitte groß“, beobachtet Heide-Lore Knof, Geschäftsführerin des Personaldienstleisters Randstad. Zahlreiche Firmen setzen inzwischen auf diverse freiwillige Zugeständnisse ihrer Beschäftigten – mit dem gemeinsamen Ziel: betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Grund: „Im letzten Abschwung haben Firmen vorschnell Leute entlassen, die ihnen danach fehlten“, sagt Rainer Strack, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

Handelsblatt und Randstad befragten nun 302 Personalentscheider aus einem Querschnitt von Branchen zu ihren Personalstrategien in der Krise. Ergebnis: 24 Prozent wenden aktuell Kurzarbeit an. Dazu ist die Zustimmung des Betriebsrats nötig. 37 Prozent haben die Möglichkeit eröffnet, die Arbeitszeit freiwillig zu verkürzen. 30 Prozent der befragten Firmen bieten Mitarbeitern Abfindungen an, 27 Prozent unbezahlten Urlaub. Je neun Prozent appellieren an ihre Beschäftigten in Sachen freiwilliger Gehaltskürzung sowie Sabbatical.

Beispiel Daimler. 68 000 Beschäftigte sind bereits in Kurzarbeit. Seit gestern verhandelt der Autobauer mit dem Betriebsrat über Arbeitszeitverkürzungen bis zu fünf Stunden pro Woche für die 73 000 Mitarbeiter außerhalb der Produktion. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sollen zudem gekürzt, Tariferhöhungen und Sonderzahlungen verschoben werden.

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