Exklusiv-Umfrage Managerhaftung: Allein gelassen nach dem Crash

Exklusiv-Umfrage Managerhaftung
Allein gelassen nach dem Crash

Dank Manager-Haftpflichtversicherung mag sich manch Führungskraft in Sicherheit wiegen. Zur Recht? Viele Unternehmen haben bisher keinen Schaden melden müssen – für Manager wird der Schadensfall deshalb zum „Moment der Wahrheit“. Im Ernstfall, so befürchten einige, könnten sie im Regen stehen gelassen werden.

Die Bilderbuchkarriere des Jungmanagers fand ein jähes Ende. Und zwar nur fünf Monate nachdem der High-Potential von der namhaften Unternehmensberatung als Finanzvorstand in eine Firma am Neuen Markt gewechselt war. Hinter seinem Rücken hatte der Vorstandschef – den er nach dem Willen des Aufsichtsrats kontrollieren sollte – einen Scheck über mehrere Millionen ausgestellt und das Geld der Firma entzogen. Der Grund: eine Firmenbeteiligung, die laut Satzung verboten war.

Das New-Economy-Unternehmen ging den Bach runter, und der Insolvenzverwalter kam auf die Idee, sich an dem Jungmanager schadlos zu halten. Er forderte von ihm den Millionenschaden zurück, in voller Höhe. Weil er seine Pflicht verletzt und den Scheck nicht aufgehalten, sondern nur den Aufsichtsrat darüber informiert hatte. Und das war zu wenig. Strafgericht und Zivilgericht sahen das ebenso: Das Bußgeld betrug 200 000 Euro, die Anwaltskosten 300 000 Euro – das ganze Ersparte ging drauf.

Obendrein fordern die Gläubiger nun über zwei Millionen Euro von dem Jungmanager, der sich hierbei im Sicheren wähnte, weil das Unternehmen sogar zwei D&O-(Managerhaftpflicht-)Versicherungen abgeschlossen hatte. Sein Pech: Die seitenlangen Klauseln waren so findig formuliert, dass heute keine von beiden für den Schaden einspringen muss. Der Mann ist ruiniert. Nun läuft alles auf einen Vergleich raus, und der Manager soll zumindest 100 000 Euro zahlen. Und das alles für einen Fünfmonatsjob.

Dabei sind D&O-Versicherungen nicht mal billig, sondern teuer. So teuer, dass zwölf Prozent der 1 500 größten AGs und Unternehmen sich keine leisten. Dies ergibt die vierte D&O-Umfrage des Handelsblatts in Folge (Antwortquote zwölf Prozent). Zu den Verweigerern gehören eine Großwerft, eine Reederei, eine Regionalbank, ein großes Medienunternehmen, ein Nahverkehrsbetrieb und etliche Versicherer. Ein Hafenbetreiber erläutert: „Die Prämien stehen in keinem Verhältnis zu den versicherten Risiken.“ Die Münchner Tierpark Hellabrunn AG dagegen möchte nicht auf Versicherungsschutz verzichten. Als größter D&O-Prämienzahler gilt unter Insidern Siemens mit einer geschätzten Jahresprämie von zehn Millionen Euro. Für die eingekaufte Deckungssumme von – geschätzten – 300 Millionen Euro steht denn auch kein einzelner Versicherer gerade, sondern ein Konsortium aus mehreren Assekuranzen.

Insgesamt gilt: Die Vertragsbedingungen der D&O-Versicherungen haben sich bei jedem zweiten Unternehmen gegenüber dem Vorjahr verbessert, bei den anderen sind sie gleich geblieben. Die Prämien sind bei 35 Prozent der Unternehmen gesunken und nur bei neun Prozent gestiegen. Die Deckungssumme haben 17 Prozent der Firmen erhöht. Nur zwei Prozent haben sie verringert, so die Handelsblatt-Umfrage. Ausgerechnet eine Versicherung antwortete: „Wir haben verglichen, verringerten durch einen Versichererwechsel die Prämie um 34 Prozent und waren erstaunt, wie weit nicht nur die Preise, sondern auch die Bedingungen auseinander liegen.“

Warum sich die Bedingungen insgesamt gebessert haben? Vermutlich weil die Versicherer die schlechten Risiken einer Firma längst nicht mehr versichern – schließlich gelten D&O-Verträge immer nur für ein Jahr: Vor vier Jahren bekamen noch 23 Prozent der befragten Unternehmen eine Abfuhr und wurden nicht mehr weiter versichert. Jetzt waren es nur noch zwei Prozent. Ein Finanzdienstleister etwa berichtet, dass ihn die Victoria vor einiger Zeit allein wegen seiner Branche nicht mehr weiter versichern wollte – obwohl gar kein Schaden vorlag. Noch fataler ist es, sich in trügerischer Sicherheit zu wähnen. D&O-Experte und Jurist Michael Hendricks aus Düsseldorf erzählt von einem Bankdirektor, der völlig perplex war, dass ihn die D&O-Police seiner Bank bei seinem Hauptrisiko, Kreditvergaben, gar nicht schützte.

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