Exklusives Redner-Ranking
Spitzenpositionen für Winterkorn und Blessing

Die Hälfte der Dax-30-Chefs hatte ihren Auftritt auf der diesjährigen Hauptversammlung – mit überraschenden Ergebnis: Zwei Vorstandsvorsitzende teilen sich Platz eins als bester Redner.
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DüsseldorfDas war zwar die Untertreibung des Jahres, dafür aber rhetorisch brillant: „Hinter uns liegen bewegte Tage“, ist alles, was VW-Chef Winterkorn auf der diesjährigen Aktionärsversammlung zum nervenzerrenden Machtkampf mit Konzernpatriarch Ferdinand Piëch sagt.

Wobei jeder im Publikum die dramatischen Szenen dieses Wirtschaftskrimis samt der Negativ-Schlagzeilen über die Zukunft des Wolfsburger Autokonzerns deutlich vor Augen hat. Und so mancher mit großen Bedenken nach Hannover zur Hauptversammlung gereist ist, wie das wohl wird, ohne den langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden auf dem Podium.

Doch Winterkorn will unbedingt, dass Ruhe im Konzern und bei den Aktionären einkehrt. Und sich auch die Stammtische und Fußballfans der Republik nicht länger mit dem Drama in Wolfsburg beschäftigen. Und so würdigt er sogar den erbitterten Widersacher auch noch: „Ferdinand Piëch hat die Automobilindustrie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt wie kein zweiter. Als Unternehmer, als Ingenieur und als mutiger Visionär. Ich habe ihm viel zu verdanken.“ Und erntet dafür anhaltenden Beifall seines erleichterten Publikums.

Nach nicht mal fünf Minuten auf der HV-Bühne hat sich der promovierte Ingenieur so als großmütiger und starker Konzernlenker präsentiert, der den Eindruck vermittelt, alles im Griff zu haben. Der Skandal ist abgehakt, Winterkorn kann zur Routine übergehen. Das schwächelnde US-Geschäft und die nötigen Restrukturierungen innerhalb des Konzerns erscheinen dagegen beinahe wie ein Klacks. Und diese Baustellen gehen erst recht unter in der Salve von neuen Rekorden bei verkauften Fahrzeugen, Umsatz und Gewinn, die der Spitzenmanager von Europas größtem Autokonzern auf sein Publikum abfeuert, bevor er seine weitere Strategie erläutert.
Kurze Sätze, gebräuchliche Begriffe, kaum Fachjargon und erst recht keine Wortungetüme – Winterkorn überfrachtet seine Zuhörer in den 32 Minuten auf der Bühne nicht. Ein Satz, eine Information. Das ist bekömmlich. Die wichtigste Botschaft „VW steht für Teamgeist und eine starke Mannschaftsleistung“ bleibt so jedenfalls haften. Ob da nun der Firmenpatriarch plötzlich im Streit geht, ist doch egal, ergänzt der Zuhörer quasi selbst. Das muss Winterkorn gar nicht sagen.

Kommentare zu " Exklusives Redner-Ranking: Spitzenpositionen für Winterkorn und Blessing"

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  • Das Ranking verstehe ich nicht.


    Winterkorn hat ein Unternehmen, VW, zu einer Spitzenleistung geführt und erhält dafür ein fürstliches Gehalt.

    Blessing hat ein Großunternehmen (noch nicht ganz) in den Ruin geführt, schlägt eine Boniregelung "für andere" vor, scheitert und greif selbst mit Zustimmung des Großaktionäre, dem Bund, kräftig ab ohne auch nur ansatzweise sich mit einem Herrn Winterkorn vergleichen zu können.

    Bei kritischer Betrachtung müsste Winterkorn ob des Vergleichs mit Herrn Blessing umgehend abweisen. Der neutrale Leser stellt doch die Frage, wieviele Staatsmilliarden den Herr Winterkorn nicht mit Zinsen und Dividenden bedient.

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