Expansion
Chinesen erobern Deutschland

Für deutsche Konzerne ist es schon lange Pflicht, in China präsent zu sein - doch das gilt immer häufiger auch andersherum. Immer mehr chinesische Firmen investieren in Deutschland, unter den Auslandsinvestoren stehen sie schon auf dem vierten Platz. Nun wächst auch das Interesse an Übernahmen von Industriebetrieben.
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DÜSSELDORF/PEKING. Die Präsenz in China ist für deutsche Konzerne schon lange Pflicht - doch das gilt immer häufiger auch andersherum. Der Telekommunikationsausrüster Huawei gibt gerade 200 Mio. Euro aus, um seine Europa-Zentrale auszubauen - sie ist gerade erst von London nach Düsseldorf verlegt worden. Huawei bedient von hier Telekomfirmen wie T-Mobile und Vodafone. Sany Industries, der Weltmarktführer für Betonmischer, hat im nordrhein-westfälischen Bedburg für 100 Mio. Euro ein Werk gebaut. Der Pekinger Frachtdienstleister Link Global Logistics hat den Flughafen Schwerin-Parchim gekauft und lässt rund um die Uhr Frachtmaschinen direkt aus China landen.

Firmen wie Huawei, Sany und Link Global seien nur Vorboten einer Welle chinesischer Investoren, sagen Wirtschaftsförderer, Banker und Ökonomen. Die jährliche Standort-Studie der IBM-Beratungstochter Plant Location International (IBM-PLI), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt, dass China schon die Nummer vier unter den Auslandsinvestoren in Deutschland ist.

Der Vormarsch wird weitergehen

Mit einem Anteil von acht Prozent zog China 2009 an Großbritannien und Japan vorbei. IBM-PLI zählt für die Studie nur neue Ansiedlungen, nicht Übernahmen bestehender Firmen. Andere Studien sehen China sogar schon auf Platz zwei unter den Auslandsinvestoren, gleich hinter den USA.

Der Vormarsch chinesischer Investoren in Deutschland werde sich fortsetzen, sagt Roel Spee, Chef von IBM-PLI, voraus. "Die Chinesen suchen nach Produktionsstandorten in verschiedenen Industrien." Auch chinesische Banken kämen oft zuerst nach Deutschland, bevor sie sich in London ansiedelten, sagt Bernd Laber, der als Bereichsvorstand bei der Commerzbank für China verantwortlich ist. "Sie folgen damit den Investitionsströmen, denn Deutschland ist als Land mit starker Industrie der interessanteste Partner für China in Europa."

Innerhalb Deutschlands liefern sich Hamburg und Düsseldorf einen heißen Kampf darum, wer Chinas Brückenkopf Nummer eins wird. Hamburg hatte traditionell wegen des Hafens die Nase vorn; hier kommen viele Einfuhren aus China an. Düsseldorf verbuchte aber zuletzt einige Prestigeerfolge wie eben die Europa-Zentrale von Huawei. Auch der Konkurrent ZTE hat seine Europazentrale hier. Der Haushaltsgerätehersteller Midea verlegte sein Vertriebsbüro von Hamburg nach Düsseldorf, wo die Zahl chinesischer Firmen im vergangenen Jahr um 23 auf 280 stieg. "Die Zahl der Anfragen aus China ist in den letzten zwei Jahren enorm gestiegen", sagt Cao Yi, Sprecherin der staatlichen Standortmarketing-Organisation Germany Trade and Invest. "Unser Büro in Peking ist sehr, sehr beschäftigt."

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  • Wir sollten keine Hürden aufbauen. Es wird dem Arbeitsmarkt gut tun, wenn ein frischer Wind weht und den Gewerkschaften einmal nachdrücklich zeigt, dass sie nicht für Deutschland arbeiten. Der Einstieg chinesischer Firmen muß ja nicht zu chinesischen bedingungen führen, aber ein bischen chinesischer Geist täte mancher "Fachkraft" gut.

  • "Die größten Hürden, die sie dafür sehen, sind die Sprache und die starken Gewerkschaften."

    Hoffen wir, daß sie stark bleiben, sonst haben wir bald die 70 Stunden Woche! Und Rente ab 90!

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