Expertenrat
Die Gunst der Stunde nutzen

Führende Berater sind sich einig: Wer jetzt Innovationen vorantreibt und den Mut hat, Konkurrenten zu kaufen, kommt gut aus der Krise heraus. Unterdessn wird die Konkurrenz aus den Schwellenländern immer stärker - und vermeintlich festgefügte Verhältnisse geraten ins Wanken.
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DÜSSELDORF. Die schwerste Krise der Weltwirtschaft seit Jahrzehnten ist noch nicht überwunden, da raten Experten Managern und Unternehmern schon wieder zum Angriff. Absatzflaute hin, Finanzierungsprobleme her – führende Berater empfehlen ihren Kunden, mit aller Kraft auf Wachstum zu setzen. Die beiden Topratschläge lauten: Innovation und Übernahmen.

Was den Zukauf von Firmen angeht, so ist Thomas Kautzsch, Partner bei Oliver Wyman, davon überzeugt, dass die Gelegenheit so günstig wie noch nie ist. In die Zukunft blickende Manager sollten die krisenbedingte Notlage der Konkurrenz für Zukäufe nutzen. Und für Diethard Bühler, Zentraleuropachef bei Arthur D. Little, ist Innovation inzwischen ein „Überlebensthema“ – auch wenn das inmitten der akuten Krisenbewältigung eher wie Luxus erscheine.

Identifiziert haben die Berater zudem neue Gegner aus neuen Regionen: Schärfste Konkurrenten um Märkte und Kunden sind nach ihrer Ansicht in Zukunft nicht mehr die etablierten Wettbewerber in Europa oder Nordamerika, sondern Unternehmen aus den sogenannten Schwellenländern. Das waren bislang Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC). Seit dem Ausbruch der Krise ist eher von BIIC die Rede. Russlands wirtschaftlicher Aufstieg in die Weltliga steht unter Experten in Zweifel, weil das schnelle Wachstum des Landes nur rohstoffgetrieben war. Nun zeigen sich fundamentale Schwächen der russischen Wirtschaft.

Experten wie Stefan Eikelmann reihen nun Indonesien als neuen Aufsteigerkandidaten ein. Der Deutschlandchef von Booz & Co. mahnt: „In vielen Branchen ist ein Technologieschub zu beobachten“ – und dabei spielen Unternehmen aus BIIC-Staaten vorne mit. Beispiel Huawei aus China. Bislang galt der Netzwerkausrüster eher als Billigheimer aus dem Fernen Osten, inzwischen müssen die Platzhirsche Nokia-Siemens, Motorola und Ericsson den Konkurrenten sehr ernst nehmen. „Noch haben die Hochtechnologieländer wie Deutschland einen deutlichen Vorsprung, doch der schmilzt“, warnt Bühler.

Aber auch unter den klassischen Industrienationen drohen vermeintlich festgefügte Verhältnisse ins Wanken zu geraten. Der Handy-hersteller Nokia kann ein Lied davon singen. Über Jahre galt die Marktposition der Finnen als unanfechtbar. Inzwischen wird deutlich, dass Unternehmen wie Apple mit Innovationen – und mit wachsendem Erfolg – versuchen, die Nummer eins vom Thron zu stoßen. „Es reicht eben nicht mehr, mit dem Produkt Mobiltelefon neue Absatzmärkte zu suchen, wenn man den Angriff aufs Geschäftsmodell nicht abwehren kann“, sagt Bühler. Althergebrachte Erfolgsmodelle müssten grundsätzlich infrage gestellt werden. Seine Erfahrung ist allerdings, dass im Beratungsalltag 90 Prozent der Kunden die Frage stellen, wie sie ihr Produkt leicht ändern können, um über neue Vertriebskanäle an neue Kunden heranzukommen.

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