Exportmanagement
Firmen verschlafen elektronischen Zoll

Exportweltmeister Deutschland braucht Nachhilfe. Nach einer Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ist jedes dritte Unternehmen hier zu Lande nicht auf die Umstellung auf elektronische Vorabanmeldung ihrer Ausfuhren vorbereitet. Die Unternehmen riskieren kostspielige Verzögerungen.

DÜSSELDORF. Der deutsche Außenminister war "not amused": Die Bilder der georgischen Armee zeigten nagelneue Mercedes LKWs, auf denen Mehrfachraketenwerfer montiert waren, mit denen Streumunition abgefeuert werden kann. Genau die soll mit einem internationalen Vertrag Ende des Jahres geächtet werden, weil mit ihr unterschiedslos militärische und zivile Ziele zerstört werden. Die Bundesregierung steht an der Spitze der Bewegung.

Deutsche Laster im Bild untergraben da leicht die Glaubwürdigkeit. Dem Autobauer ist zwar nichts anzulasten, da er seine Fahrzeuge, die auch bei Hilfsorganisationen beliebt sind, an Israel lieferte und alle Ausfuhrvorschriften erfüllte. Doch der politische und für Unternehmen wirtschaftliche Schaden ist rasch da. Ein Beispiel, das zeigt, wie sensibel das Thema Export heute ist.

Auf Druck der USA werden jetzt die Ausfuhrbestimmungen verschärft und standardisiert - eine Spätwirkung der Anschläge vom 11. September. So muss ab Juli 2009 nach neuem EU-Recht jedes Ausfuhrgut vorab elektronisch angemeldet und abgesegnet werden. Die sogenannte Globalanzeige, mit der einmal monatlich gemeldet wurde, was wohin geliefert wurde, ist dann hinfällig. Und damit fangen für viele deutsche Unternehmen die Probleme an.

Jede dritte Firma hierzulande sieht sich schlecht gewappnet für die elektronische Vorabanmeldung ihrer Exporte. Und das kann schmerzliche Folgen haben: "Wer dazu nicht in der Lage ist, darf nach dem Stand der Dinge nichts ausführen. Schlimmstenfalls käme also der grenzüberschreitende Warenverkehr der Firma zum Erliegen", sagt Stefan Zimmermann, Experte für Zollfragen von Materna.

Die Unternehmensberatung hat 460 exportierende Unternehmen über ihr Zollmanagement befragt. Die Untersuchung liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Hinzu kommt: Fast die Hälfte der nicht oder schlecht vorbereiteten Unternehmen bezieht mindestens 50 Millionen Euro aus dem Auslandsgeschäft und damit einen Großteil ihrer Umsätze. Für sie könnte es ein böses Erwachen geben.

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