Externe Servicepartner
Im Dschungel der Dienstleister

Die Komplexität in global tätigen Unternehmen ist inzwischen kaum noch zu erfassen. Viele Konzerne beschäftigen mittleweile eine unüberschaubare Zahl an externen Servicepartnern. Eine Bündelung kann hier zwar helfen, den Überblick zu bewahren - sie schafft aber auch Abhängigkeiten.
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DÜSSELDORF. Wissen Sie eigentlich, wie viele Dienstleister für Ihr Unternehmen arbeiten? Zählen Sie ruhig mal nach. Die meisten von Ihnen dürften genauso perplex sein wie Peter Wroblowski. Als der Chief Information Officer von Henkel die externen Servicepartner durchforstete, stieß er auf ein weit verzweigtes Dickicht: „Allein 120 verschiedene IT-Dienstleister gab es, mit denen wir über die ganze Welt verteilt zusammengearbeitet haben. Zählt man die IT-Trainer dazu, waren es über 1 000 unterschiedliche externe Helfer. Ein regelrechter Wildwuchs.“

Wroblowski machte einen radikalen Schnitt. Er bündelte alle Verträge der Service-Provider, die 2010 auslaufen, und vergab ein Fünf-Jahres-Paket an drei Dienstleister. Das Rennen machten die Management- und Technologieberatung Accenture, IBM sowie Unisys – Projektvolumen jährlich etwa 100 Mio. Euro. „Noch vor zehn Jahren hätte man vergeblich nach solchen Allround-Anbietern gesucht“, sagt Wroblowski. „Heute gibt es gleich mehrere Alternativen.“

Die Komplexität in global tätigen Unternehmen ist inzwischen kaum noch zu erfassen. So fordert der St. Gallener Management-Vordenker Fredmund Malik bereits sarkastisch: „Die heutige Wirtschaft braucht statt eines ,Masters of Business Administration’ den ,Master of Complexity Management’.“

Viele der Komplexitätsprobleme sind hausgemacht. Da Unternehmen nicht mehr alles selbst machen wollen, haben sie über die Jahre peu à peu immer mehr Arbeit außer Haus gegeben. Allerdings überwachte niemand so richtig die Vergabe. Stephan Scholtissek, Deutschland-Chef von Accenture: „Das liegt am unheimlich zersplitterten Einkauf, da fast jede Unterabteilung ihr eigenes Budget für externe Dienstleister hat.“

Er kennt Dax-Unternehmen, in denen sich weltweit allein 800 verschiedene Management-Beratungen tummeln. „Wer hat da noch den Durchblick und checkt, ob all die Konzepte sich nicht womöglich beißen“, fragt sich Scholtissek. Antonio Schnieder, Vorsitzender der Geschäftsführung des Beratungs- und IT-Dienstleisters Capgemini Deutschland, ergänzt: „Heute sind Manager im Unternehmen öfters nur damit beschäftigt, die zersplitterten Dienstleister zu steuern und zu überwachen.“

Letztlich liegt es an den Unternehmen selbst, ob sie die Beziehungen zu ihren Dienstleistern und Zulieferern kompliziert oder einfach halten wollen. Siemens zum Beispiel hat damit begonnen, unter seinen Lieferanten drastisch auszusieben. Mittelfristig will sich der Konzern von jedem fünften der etwa 100 000 Zulieferer trennen. Eine ähnliche Bündelung hatte Einkaufsvorstand Barbara Kux schon zu ihrer Zeit bei Philips umgesetzt. Zugleich sollen bis zum Jahr 2010 die Bereiche des Siemens-Konzerns verstärkt gemeinsam einkaufen – für ein Volumen von insgesamt 19 Mrd. Euro.

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