Fairness zahlt sich aus
„Alle müssen so tun, als seien sie fair“

Axel Ockenfels steht im Handelsblatt-Ranking „Deutschlands beste Ökonome" auf Platz sieben. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt der Leibniz-Preisträger, warum gerade in engen Zeiten Fairness hilft und Politiker auf Volkswirte hören sollten.

Handelsblatt: Haben Sie sich schon entschieden, wofür Sie ihr Leibniz-Preisgeld, die 1,55 Millionen Euro, verwenden?

Ockenfels: Wir Volkswirtschaftler brauchen ja keine großen Teilchenbeschleuniger, sondern letztlich nur einen Bleistift. Der größte Teil des Preisgeldes geht daher in gute Köpfe. Mein Ziel ist es, gute Nachwuchswissenschaftler auch aus den USA nach Köln zu holen, und die müssen wir vernünftig bezahlen.

Kein Spielgeld also für die Verfeinerung ihrer Spieltheorien?

Ockenfels: Doch. Einen großen Teil des Preisgeldes investieren wir in unser neues Forschungslabor mit 32 Rechnerplätzen. Bei den Versuchen dort müssen wir auch die Probanden bezahlen. Schließlich simulieren wir nichts, sondern kreieren reale Situationen, beispielsweise Ebay-Auktionen. Und dafür benötigen wir echten Menschen und echtes Geld.

Auf was testen Sie die Probanden im Labor?

Ockenfels: Wir wollen unter kontrollierten Bedingungen beobachten, wie sich Menschen verhalten. Das ist Entscheidungstheorie, wenn Sie so wollen. Mich interessiert etwa die Frage des effizienten Verhandelns. Denn das strategisch clevere Verhandeln weicht oft vom tatsächlichen Verhandeln ab. Wir versuchen, Menschen zu helfen, besser zu verhandeln.

Und? Zahlt sich Fairness aus?

Ockenfels: Mit Sicherheit. Es kann durchaus egoistisch und rational ein, fair zu sein – obwohl das in der Theorie so nicht reflektiert wird. Wenn in einer Gruppe auch nur ein paar Leute ein bisschen fair sind, was ja auch der Realität entspricht, dann sollten auch alle diejenigen, die eigentlich völlig eigennützig sind, so tun, als ob sie fair wären.

Das klingt nach reiner Taktik. Oder liegt das Streben nach Fairness im Menschen begründet?

Ockenfels: Beides. Wir brauchen die genetisch programmierte Fairness. Und wir haben Leute, die taktisch fair sind. In unseren Experimenten sehen wir: Es ist die Interaktion zwischen den echt fairen und den taktisch fairen, die viel von dem treibt, was wir beobachten. Mit Fairness und Kooperation kommen wir oft sehr viel weiter.

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