Familie am Arbeitsplatz: Das Surren der Maschinen wiegt die Kinder in den Schlaf

Familie am Arbeitsplatz
Warum Unternehmen in Kinder investieren

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Das Surren der Maschinen wiegt die Kinder in den Schlaf

Susanne Lang, die Chefin der alleinerziehenden Zwillingsmutter Ilona Kiesenbauer, führt den Hersteller von Außenspiegeln für Lastwagen und Busse in dritter Generation. In Ergersheim, im Nichts zwischen Würzburg und Nürnberg, beschäftigt sie 900 Menschen.

Lang erlebte berufstätige Mütter schon zu einer Zeit, als die noch eine Ausnahme waren. Ihre Großmutter brachte den Betrieb durch den Krieg, die Mutter führte ihre eigene Buchhandlung, bevor sie in die Firma ihres Mannes einstieg. Wie Familie und Beruf zu vereinbaren seien, darüber haben die Frauen im Hause Lang nicht gegrübelt. Sie haben es vorgemacht.

Die Idee mit der betrieblichen Kinderbetreuung kam Susanne Lang im Frühjahr 2005. An einem Brückentag blieben die Kindergärten in der Umgebung geschlossen. Die Kantinenleiterin kam auf Lang zu und sagte, dass sie an diesem Freitag kein Essen servieren könne, ihre ganze Mannschaft falle aus, weil die Frauen nicht wüssten, wohin mit den Kindern.

„Dann sollen sie die Kleinen eben mitbringen“, sagte Lang. Kurzerhand ließ sie einen Teil der Kantine abtrennen, durchforstete die Personalakten nach gelernten Kinderpflegerinnen, zog zwei Frauen vom Band ab und beorderte sie in die Notkrippe.

Das war nur der Anfang. Lang stellte Erzieherinnen ein und eine Kinderkrankenschwester, kaufte Kinderbetten, Hochstühle, Holzspielzeug. Ihr Chefeinkäufer musste sich erstmals mit Windelpreisen befassen.

Die Chefin hat selbst zwei Kinder, die Tochter ist sieben, der Sohn sechzehn Monate alt. Wenn die Mutter arbeitet, schläft der Kleine im Stockwerk oberhalb der Fertigungshalle. Wo früher die Kollegen aus dem Einkauf saßen, ist jetzt die Krippe untergebracht. Als der Platz nicht mehr ausreichte, war klar, dass der Einkauf würde umziehen müssen, nicht die Kinder.

Zieht man die Vorhänge im Schlafraum zurück, sieht man Arbeiter im Blaumann unten durch die Kunststofffertigung wuseln. Bis hier oben dringt das Surren der Spritzmaschinen. „Das Gebrumme wiegt die Kinder in den Schlaf“, sagt Susanne Lang und rollt dabei das „r“ so sanft, wie es nur die Franken können.

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  • Der mangelnde Effekt liegt darin begründet, das Sozialmassnahmen von Anfang an nur Alibi sind, um Sozialstrukturen als Machtbasen zu finanzieren. Es geht primär um Arbeitsplätze und Posten, erst zu allerletzt um den propagierten Zweck. Besonders Grüne und SPD sind von solchen Strukturen abhängig, aber auch ein Teil der Konservativen.
    Nach Zweckerfüllung oder Wirtschaftlichkeit fragt da niemand und wenn doch, wie bei der Sozialhilfe geschehen, dann nur um innerhalb der Sozialbürokratie die Gelder umzuverteilen.

    H.

  • Es zwingt Sie noch niemand, solch einen Platz in Anspruch zu nehmen. In meiner Firma gibt es auch eine betriebseigene Kita, und ich bin froh und dankbar dafür. So kann ich halbtags arbeiten und bin nur zwei Etagen von meinem Kind entfernt.
    Wenn Sie eine Frau haben, die damit zufrieden ist, ein Leben lang zu Hause zu sein und für Sie da zu sein, ist es doch schön für Sie. Ich finde es großartig, dass sich Arbeitgeber auch sozial engagieren. Und - nein, mein Kind wird dort keiner Gehirnwäsche unterzogen. Es wird ganz einfach nur gut betreut.

  • Zunächst - nein, ich bin KEIN Ex-Parteifunktionär der DDR. Davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich bin ganz einfach als Arbeiterkind geboren, habe mich qualifiziert, studiert und übe seit nunmehr 30 Jahren einen hochqualifizierten Beruf aus. Und ob Sie es glauben oder nicht - ja, ich habe immer gut verdient. Zwar kenne ich keine normalen Arbeitszeiten und habe selten weniger als 45 Stundenwochen gearbeitet, aber ich mag meinen Beruf. Und noch etwas - ja, ich bin durch Arbeit reich geworden. Es geht mir gut in diesem Land. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie sich jemand eine kommunistische Diktatur zurückwünschen kann. Aus meiner Erfahrung sind das immer nur diejenigen, die sehr wenig von Eigenverantwortung halten. Sie dürfen mich nun weiter schmähen, weil ich aus eigener Kraft etwas geschafft habe.

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